{"id":32,"date":"2025-03-24T11:37:59","date_gmt":"2025-03-24T11:37:59","guid":{"rendered":"https:\/\/www.struwwelpeter.org\/?page_id=32"},"modified":"2025-04-01T15:24:21","modified_gmt":"2025-04-01T15:24:21","slug":"der-aegyptische-struwwelpeter","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.struwwelpeter.org\/?page_id=32","title":{"rendered":"Der Aegyptische Struwwelpeter"},"content":{"rendered":"\n<h1 class=\"wp-block-heading\">\u2013 ein Kuriosum der \u00f6sterrei\u00adchischen Kinderliteratur?<\/h1>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00dcber kaum eine andere Bearbeitung des \u201eStruwwelpeter\u201c wei\u00df man so genau Be\u00adscheid, wie in diesem Fall. Lassen Sie Ihrer Phantasie die Z\u00fcgel schie\u00dfen und kommen Sie mit mir nach Wien, in das Wien um 1895.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um die \u201eExklusivit\u00e4t\u201c des Aegyptischen Struwwelpeters zu verstehen, muss man die kulturellen und historischen Hintergr\u00fcnde n\u00e4her betrachten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es gibt beileibe keine besonders engen oder alten historisch-politischen Beziehungen zwischen \u00c4gypten und der \u00d6sterreichisch-Ungarischen Monarchie, sieht man von einzelnen Pers\u00f6nlichkeiten ab, wie z. B. Slatin Pascha (1857\u20131932) oder Alois Negrelli. Slatin Pascha ist ein 1857 in Wien geborener anglo-\u00e4gyp\u00adtischer General, der im Ersten Weltkrieg als \u00f6sterreichischer Leutnant die Kriegsgefangenenhilfe des \u00d6sterreichischen Roten Kreuzes leitete. Alois Ritter von Negrelli Moldelbe (1799\u20131858) entwarf die Pl\u00e4ne f\u00fcr den Suez-Kanal. Beide Personen geh\u00f6ren also entweder eher in den Bereich der \u201enormalen\u201c diplomatischen Beziehungen oder in den kulturellen Bereich im weitesten Sinn.<\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Warum \u201eAegyptischer Struwwelpeter\u201c<\/h1>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Beziehungen \u00d6sterreich \u2013 \u00c4gypten<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unter den zahlreichen Bearbeitungen des Struwwelpeters ist die exotischste wohl \u201eDer Aegyptische Struwwelpeter\u201c, der von einem Autorenteam aus der \u00d6sterreichisch-Ungarischen Monarchie stammt.<a href=\"applewebdata:\/\/8C360889-3104-4CDB-ADF2-0D001FACE2A3#_edn1\"><sup>[i]<\/sup><\/a>&nbsp;Warum nun gerade verlegten sie diese Geschichten nach \u00c4gypten? Besondere histo\u00adrische Beziehungen zwischen diesen beiden L\u00e4ndern bestanden schlie\u00dflich nicht, eher kultu\u00adrelle, wie bereits angedeutet. Diese reichen allerdings bis in die Zeit zur\u00fcck, als Wien noch Vindobona hie\u00df. (Etwa um Christi Geburt nahmen die R\u00f6mer dieses Gebiet in Besitz.)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei Bauarbeiten im Jahr 1800 stie\u00df man im Zentrum der Stadt auf r\u00f6mische Funde. Das war nun nichts Au\u00dfergew\u00f6hnliches, das war fast schon \u201enormal\u201c in Wien. Das Besondere an diesem Fund war aber, dass auch eine alt\u00e4gyptische Steinskulptur unter den sichergestellten Funden war. Sie stammt aus der Zeit um etwa 1200 v. Chr. und war vermutlich als eine Art \u201egeistlicher Gesandter\u201c \u00c4gyptens nach Vindobona gebracht worden. Es gab im r\u00f6mischen Reich zahlreiche Kultst\u00e4tten f\u00fcr die \u00e4gyptischen G\u00f6tter Isis und Serapis.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mitte des 16. Jahrhunderts kam auf dem Umweg \u00fcber Konstantinopel ein weiteres kostbares St\u00fcck nach Wien. Um 200 Dukaten erwarb der \u00dcberlieferung nach Ogier Ghislain de Busbecq, Mitglied einer kaiserlichen Gesandtschaft in Konstantinopel, mit der Sitzstatue des Gemnef-hor-bak die erste \u00e4gyptische Skulptur der kaiserlichen Sammlungen. Im Jahr 1801 erwarb der \u00d6sterreicher Freiherr von Hammer-Purgstall (1774\u20131856) als Angeh\u00f6riger des diplomatischen Dienstes in Saqqara eine Stele. Er machte sie der \u201eOrientalischen Akademie\u201c zum Geschenk, von wo sie auf unbekannte Art und Weise im habsburgischen M\u00fcnz- und Antikenkabinett landete. Die Orientalische Aka\u00addemie war von Kaiserin Maria Theresia gegr\u00fcndet worden und besteht heute noch als \u201eDiplomatische Akademie\u201c. Hammer-Purgstall war auch einer der Gr\u00fcnder der Wiener Akademie der Wissen\u00adschaften und deren erster Pr\u00e4sident (1847\u20131849). Er erwarb sich gro\u00dfe Verdienste um die \u00f6sterreichische Orientalistik, besonders der Turkologie, und \u00fcbersetzte zahlreiche orienta\u00adlische Dichtungen, z. B. den \u201eDiwan\u201c des\u00a0Hafiz und &#8222;Tausendundeine Nacht&#8220;.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1809 eroberte Napoleon Wien und die franz\u00f6sische Armee machte vom Recht des Siegers Gebrauch, d. h. es wurden in Wien so viele wertvolle Kunstsch\u00e4tze wie m\u00f6glich kon\u00adfisziert und den franz\u00f6sischen Museen einverleibt. Nach dem Untergang Napoleons kam es aus politischen und diplomatischen Gr\u00fcnden in der Regel nicht zu einer R\u00fcckstellung der geraubten Sch\u00e4tze, sondern es wurden Tauschobjekte angeboten. Gott sei Dank konnte aber das M\u00fcnz- und Antikenkabinett, in dem sich auch die \u00e4gyptischen Altert\u00fcmer befanden, zum Gro\u00dfteil rechtzeitig in Sicherheit gebracht werden. Die trotzdem daraus beschlagnahmten St\u00fccke wurden gl\u00fccklicherweise wieder zur\u00fcckgegeben.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1824 wurde ein Subinventar f\u00fcr die \u00e4gyptischen Best\u00e4nde des M\u00fcnz- und Antiken\u00adkabinetts erstellt, das 3770 Nummern umfasste. Der Gro\u00dfteil der Objekte waren Schenkungen der verschiedenen Gesandten in Konstantinopel und Kairo, wobei diese nicht selbst als Aus\u00adgr\u00e4ber t\u00e4tig waren, sondern bei Antiquit\u00e4tenh\u00e4ndlern die St\u00fccke erwarben. Aber auch zahl\u00adreiche Kaufleute, Bankiers und andere Wirtschaftstreibende der \u00d6sterreichisch-Ungarischen Monarchie machten gro\u00dfz\u00fcgige Schenkungen dem Haus Habsburg.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1869 wurde der Suez-Kanal er\u00f6ffnet, der nach Pl\u00e4nen von Alois Negrelli von dem Franzosen Ferdinand de Lesseps (1805-1894) gebaut worden war. Kaiser Franz Joseph I. erhielt bei dieser Gelegenheit durch Vermittlung des \u00f6sterreichischen Technikers Anton Lucovich drei Papyrusb\u00fcndels\u00e4ulen aus der 18. Dynastie (ca. 1551-1306 v. Chr.), die beim Neubau des Kaiserlich-K\u00f6niglichen Hofmuseums (heute: Kunsthistorisches Museum) in die \u00e4gyptischen S\u00e4le tragend eingebaut wurden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Anl\u00e4sslich der Wiener Weltausstellung 1873 wollte Ismail Pascha, Vizek\u00f6nig von \u00c4gypten, sein Land eindrucksvoll und vor allem eigenst\u00e4ndig pr\u00e4sentieren. \u00c4gypten stand immer noch unter t\u00fcrkischer Oberhoheit, daher verfolgte diese Repr\u00e4sentation nicht nur kulturelle sondern auch handfeste politische Ziele. Die unverwechselbare pharaonische Kultur sollte den \u00e4gyptischen Anspruch auf Eigenstaatlichkeit unterstreichen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Malereien eines \u00e4gyptischen F\u00fcrstengrabes in Beni Hassan waren die Vorlage f\u00fcr den Nachbau desselben im Rahmen der Wiener Weltausstellung 1873. Das Grab war ein Publikumsmagnet! Nach dem Ende der Weltausstellung wurden diese Tapeten gekauft (sie waren auf einem speziellen Papier gemalt), um fast 20 Jahre sp\u00e4ter f\u00fcr die Ausgestaltung der \u00c4gyptisch-Orientalischen Sammlung Verwendung zu finden. Auf eben diese Darstellungen werde ich sp\u00e4ter noch einmal zur\u00fcckkommen. Neue Forschungen haben ergeben, dass vermutlich der Wiener Dekorations- und Zimmermaler Adolf Falkenstein (\u202031.12.1929) mit gro\u00dfer Wahrscheinlichkeit der K\u00fcnstler war und nicht Max Weidenbach, wie bisher immer angenommen wurde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unter vielen prominenten G\u00f6nnern und K\u00e4ufern \u00e4gyptischer Kunstwerke f\u00fcr das Haus Habsburg war einer der prominentesten der Thronfolger Kronprinz Rudolf. 1881 er\u00adwarb er auf einer \u00c4gyptenreise sechzig Objekte und stiftete sie der Sammlung.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Kuriosum, das heute unvorstellbar ist, sei hier unbedingt erw\u00e4hnt. 1891 war ein sensationeller Fund in D\u00ear el-Bahari, ca. 25 km n\u00f6rdlich von Gizeh, gemacht worden, ein in\u00adtaktes Grab mit 153 S\u00e4rgen. Der Fund war so gewaltig, dass die Magazine des damaligen Museums in Gizeh nicht ausreichten. Die \u00e4gyptische Regierung fasste nun den bemerkens\u00adwerten Entschluss, eine Anzahl von&nbsp;<strong>Fundgruppen<\/strong>&nbsp;an 17 Museen in Europa und den Verei\u00adnigten Staaten zu&nbsp;<strong>verschenken. Dies wurde 1893\/94 durchgef\u00fchrt.<\/strong>&nbsp;Die Objektgruppen wurden den diplomatischen Vertretern der einzelnen Staaten durch Los zugeteilt. Der \u00f6ster\u00adreichische \u201eLosgewinn\u201c fiel an das Kunsthistorische Museum, der Gewinn f\u00fcr die Vereinigten Staaten steht heute in Washington, im Smithsonian Institute. \u2013 Welche Regierung w\u00fcrde heute eine solche wahrhaft gro\u00dfz\u00fcgige Entscheidung treffen?&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eAlle Welt\u201c sprach also von \u00c4gypten, immer wieder wurde in Zeitungen und Zeit\u00adschriften \u00fcber neue, sensationelle Ausgrabungen berichtet, und Ausgrabungen gab es en masse, nicht immer allerdings echt. Jeder, der auf sich hielt und es sich leisten konnte (oder auch nicht!), hatte etwas Antikes zu Hause im Salon stehen. Ebenso bekannt und praktisch in jedem Haus vorhanden war der Struwwelpeter. Es war also nur ein Funke notwendig, um diese beiden Komponenten zu einem gelungenen Scherz zu vereinen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die \u201eAutoren-Compagnie\u201c Fritz, Richard und Magdalene Netolitzky<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Familie Netolitzky&nbsp;<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um 1870 hatte die \u00d6sterreichisch-Ungarische Monarchie eine Gr\u00f6\u00dfe von 676.615 km\u00b2, das ent\u00adspricht ungef\u00e4hr zwei Drittel der Fl\u00e4che des heutigen \u00c4gyptens. Dieser Vielv\u00f6lkerstaat bot nicht nur die Vorteile der gegenseitigen Beeinflussung durch ver\u00adschiedene Kulturen, er hatte auch viele Nachteile, vor allem wenn man Beamter war und immer wieder versetzt werden konnte. Zu den Kosten der \u00dcbersiedlungen kam noch die Sorge um die Ausbildungsm\u00f6glichkeiten der Kinder, besonders wenn ein Universit\u00e4tsstudium geplant war.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Familie Netolitzky war seit dem fr\u00fchen 18. Jahrhundert in Rokitnitz (Ostb\u00f6hmen) ans\u00e4ssig und wohlangesehen. Rokitnitz war bis zum Ende des Ersten Weltkrieges ein rein deutschsprachiger Ort, wo der Gro\u00dfvater von Fritz Netolitzky neben der Land\u00adwirtschaft das Gewerbe des Lebzelters und Wachsziehers aus\u00fcbte. Seine beiden Br\u00fcder waren aber bereits \u00c4rzte. Einer von ihnen folgte in dieser Funktion nach den napoleonischen Kriegen einem russischen F\u00fcrsten auf dessen G\u00fcter in der N\u00e4he von Kiew und verblieb dort. Dieser \u201erussische Onkel\u201c spielte in der Familientradition eine gro\u00dfe Rolle und wurde immer f\u00fcr den \u201eZug in die weite Welt\u201c verantwortlich gemacht, dem auch Fritz Netolitzky letztlich nachgegeben hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Eltern der Autoren waren Dr. med. August Netolitzky und Hedwig v. Stein aus Berlin. August Netolitzky studierte in Prag und heiratete dort die Tochter des Universit\u00e4ts\u00adprofessors der Zoologie, Friedrich Ritter von Stein, der aus einer Pastorenfamilie in der Mark Brandenburg stammte.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser Ehe entstammen sieben Kinder, die \u00e4ltesten drei sind das Autorenteam, das f\u00fcr den Aegyptischen Struwwelpeter verantwortlich zeichnet. Magdalene, die \u00c4lteste, wurde am 4. September 1872 geboren, Richard am 19. September 1873 und Fritz am 1. Oktober 1875 in Zwickau in B\u00f6hmen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Kindheit im zahlreichen Geschwisterkreis in verschiedenen deutschen und tsche\u00adchischen St\u00e4dten B\u00f6hmens war eine sehr gl\u00fcckliche und naturverbundene, fast ohne jeden gesellschaftlichen Schliff. Als besonders charakteristisch empfand Fritz einen Wunschtraum, den er im Alter von ca. 10 Jahren hatte. Er lag auf einer Wiese und hatte den unvorstellbaren Wunsch, einmal alles Lebendige auf einem Quadratmeter Wiese zu kennen und zu benennen \u2013 ein Wunschtraum, dessen Erf\u00fcllung wohl einige Spezialisten in Atem halten w\u00fcrde, wie er im Alter resigniert hinzuf\u00fcgte.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Studium und Werdegang von Fritz Netolitzky<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sein Vater wurde als Arzt und Beamter der Monarchie immer wieder versetzt, was kostspielige \u00dcbersiedlungen und mehrmaligen Schulwechsel zur Folge hatte. Das humani\u00adstische Gymnasium begann er in Eger (heute: Cheb, ganz im Westen Tschechiens) und es machte ihm mehr M\u00fche als Freude. In Eger wurde Deutsch gesprochen, er aber hatte in der Volksschule drei Jahre Tschechisch und nur ein Jahr Deutsch als Unterrichtssprache gehabt. Nun kam zu diesen Schwierigkeiten noch das Ungl\u00fcck, in Latein und Griechisch einen&nbsp;<em>\u201ep\u00e4dagogisch unerfreulichen Lehrer\u201c&nbsp;<\/em>zu haben. Es war aber bezeichnend f\u00fcr ihn, dass er diesen Mann, unter dessen Verst\u00e4ndnislosigkeit er oft litt, immer als&nbsp;<em>\u201etypisch magenleidend und daher verbittert\u201c,<\/em>entschuldigte. Die humanistische Bildung war f\u00fcr ihn trotz der eigenen schlechten Erfahrung etwas, das er sp\u00e4ter ebenso f\u00fcr seine eigenen Kinder w\u00fcnschte. Mit der Freiheit und Ungebundenheit, die er bisher genossen hatte, war es im Gymnasium vorbei, Basteln und Sammeln blieben aber trotzdem seine Leidenschaft. Die wilden Bubenspiele mit seinen Freunden und Bruder Richard wurden abgel\u00f6st vom Schwimmen, Eislaufen, Turnen und Radfahren, sp\u00e4ter kamen noch Bergsteigen und Schi\u00adfahren dazu. Als Student wurde er auch zum eifrigen Fotografen, der immer wieder Fotos im Familienkreis machte.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Da der Vater in der Zwischenzeit wieder einmal versetzt worden war, diesmal ins Ministerium nach Wien, verbrachte er die letzten zwei Gymnasialjahre in Prag, fern von der Familie. Er wohnte allerdings als Pension\u00e4r zusammen mit einer Cousine bei Gro\u00dfmutter Emma von Stein, eine L\u00f6sung des Schulproblems, die damals weit verbreitet war. Von dieser Cousine stammt vermutlich auch das erste \u201eLiebespfand\u201c, n\u00e4mlich eine Haarlocke, die sich heute noch im Besitz seiner Enkelin befindet. Im Prager Gymnasium r\u00fcckte er unter anderen Lehrern zum besseren Durchschnitt auf und bestand die Matura am 13. Juli 1893 leicht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Fritz folgte der Familie nach Wien und begann dort im Herbst d. J. das Studium der Medizin, so dass die ganze Familie wieder vereint war. Dort konnte nun das traute Familien\u00adleben \u2013 unter \u00e4u\u00dferst knappen Verh\u00e4ltnissen \u2013 wieder aufgenommen werden. Fritz f\u00fchrte sehr regelm\u00e4\u00dfig und genau Tagebuch und vermittelt einen sehr lebendigen Eindruck von den finanziellen Sorgen und N\u00f6ten der Familie, aber auch seine pers\u00f6nlichen Geldprobleme notierte er gewissenhaft. So hatte er z. B. kein Geld, um ein neues Heft f\u00fcr seine Tagebuchaufzeichnungen zu kaufen. Er machte nur kurze Notizen auf Zetteln, die er dann summarisch im Tagebuch nachtrug. Auch eine kostspielige Zahnbehandlung muss monate\u00adlang aus Geldmangel aufgeschoben werden. Trotzdem herrschte in der Familie ein heiterer und liebevoller Umgangston. Die harmlosen Vergn\u00fcgungen im Winter waren Eislaufen auf dem vom Hausmeister aufgesch\u00fctteten Wasser im Hof des Hauses oder Ausfl\u00fcge mit Freunden mit der Dampftramway nach Nu\u00dfdorf, einer bis 1892 selbst\u00e4ndigen Vorortgemeinde von Wien. Die j\u00fcngste Schwester Emma wurde f\u00fcrsorglich m\u00f6glichst immer&nbsp;<em>\u201evom Turnen abge\u00adholt\u201c<\/em>. Dieser Turnunterricht erfolgte vermutlich in einem der damals zahlreichen Turnvereine. Dem \u201eWiener Akademischen Turnverein\u201c geh\u00f6rte auch Fritz Netolitzky an. Diese Turnvereine wurden an Universit\u00e4ten gegr\u00fcndet und hatten eine ganz \u00e4hn\u00adliche Struktur wie die Studentenverbindungen der damaligen Zeit. Dieser br\u00fcderliche Liebes\u00addienst hatte aber nun auch den Vorteil, dass man Freunde und andere M\u00e4dchen traf, unter ihnen auch meine Gro\u00dftante Kitty von Gunz, eine Cousine meines Gro\u00dfvaters m\u00fctterlicherseits. Im Tagebuch wurde vermerkt: \u201e\u2026&nbsp;<em>W<\/em><em>ir mu\u00dften die Emma von Gunzens abholen. Die M\u00e4deln sollen ganz h\u00fcbsch sein, ich habe sie fast nicht gesehen, Emma aber meinte, wir<\/em>&nbsp;(gemeint sind Fritz und Bruder Richard)<em>&nbsp;sollten jeder eine nehmen<\/em>&nbsp;(es gab n\u00e4mlich drei Schwestern).<em>&nbsp;Was die Weiber immer gleich f\u00fcr Gedanken haben. &#8230;\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach der neuerlichen Versetzung des Vaters blieben die Studenten Fritz und Richard in Wien und wurden von&nbsp;<em>\u201eTante Gersuny\u201c,&nbsp;<\/em>wie man sie nannte, unter die Fittiche genommen, d. h. sie sorgte bisweilen f\u00fcr die W\u00e4sche oder lud die Br\u00fcder zum Essen ein. Sie nahmen auch weiterhin am Franz\u00f6sisch- und Englischunterricht teil, der in ihrem Haus stattfand. In ihrem Haus wurden sie in die Ge\u00adsellschaft, nicht zuletzt durch den Tanzunterricht, eingef\u00fchrt. Frau Gersuny lie\u00df sogar den in knappsten Verh\u00e4ltnissen lebenden Br\u00fcdern manchmal 5 Gulden zukommen,&nbsp;<em>\u201edamit sie sich auf den B\u00e4llen besser unterhalten k\u00f6nnen\u201c.<\/em>&nbsp;Diese Verbindung war f\u00fcr die Entstehung des Aegyptischen Struwwelpeters von entscheidender Bedeutung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am 23. M\u00e4rz 1899 wurde Fritz zum Doktor der gesamten Heilkunde promoviert und diente anschlie\u00dfend daran als Einj\u00e4hrig-Freiwilliger bei den Kaiserj\u00e4gern, einer Elitetruppe der Monarchie, in Wien und dann als Assistenzarztstellvertreter in Innsbruck. Hier war er von 1899 bis 1904 Assistent am Pharmakologischen Institut der Universit\u00e4t. In dieser Zeit legte er auch die Physikatspr\u00fcfung ab, die ihn berechtigte, die Stelle eines Amtsarztes zu \u00fcbernehmen. Einen anschlie\u00dfenden einj\u00e4hrigen Urlaub verwendete er zu einer Studienreise als Schiffsarzt eines kleinen Dampfers der deutschen \u201eKosmos-Linie\u201c in Hamburg, l\u00e4ngs der Westk\u00fcste S\u00fcdamerikas. Diese Gelegenheit war ein ausgesprochener Gl\u00fccksfall, denn normalerweise mussten die Schiffs\u00e4rzte mehrj\u00e4hrige Vertr\u00e4ge abschlie\u00dfen, in diesem Fall beschr\u00e4nkte sich der Vertrag auf eine bestimmte Reise. Dar\u00fcber berichtete er sp\u00e4ter in den \u201eInnsbrucker Nach\u00adrichten\u201c vom 12. Februar 1903. Nach seiner R\u00fcckkehr 1902 arbeitete er ein Semester lang an der Universit\u00e4t Stra\u00dfburg im Pharmakologischen Institut und am Institut f\u00fcr physiologische Chemie.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1904 erfolgte seine Ernennung zum Assistenten an der \u201eKaiserlich-K\u00f6niglichen allgemeinen Unter\u00adsuchungsanstalt f\u00fcr Lebensmittel\u201c in Graz, die mit dem Hygienischen Institut der Universit\u00e4t verbunden war. Er habilitierte sich im darauffolgenden Jahr f\u00fcr Pharmakognosie und Mikro\u00adskopie der Nahrungsmittel an der Grazer Universit\u00e4t und kam 1910 als Adjunkt an die Unter\u00adsuchungsanstalt f\u00fcr Lebensmittel der damals noch \u00f6sterreichischen Universit\u00e4t Czernowitz, wobei seine Venia&nbsp;Docendi&nbsp;an die dortige Universit\u00e4t \u00fcbertragen wurde. 1912 wurde er hier zum wirklichen a. o. Professor f\u00fcr Pharmakognosie ernannt. Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges unterbrach 1914 seine T\u00e4tigkeit in Czernowitz, da er zum Kriegsdienst einr\u00fcckte. Kurz vor Kriegsende wurde er zum Mitglied des Fachkommittees des kaiserlich-k\u00f6niglichen Amtes f\u00fcr Volksern\u00e4hrung ernannt und der Landwirtschaftlich-chemischen Versuchsstation in Wien zugeteilt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach dem Zusammenbruch der Monarchie im November 1918 ging er wieder nach Czernowitz, um dort im Einvernehmen mit der \u00f6sterreichischen Unterrichtsbeh\u00f6rde an der inzwischen rum\u00e4nisch gewordenen Universit\u00e4t seine fr\u00fchere Professur zu \u00fcbernehmen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bereits 1904 hatte Fritz Netolitzky Katharina Edle von Gunz (1880 &#8211; 1935), eine Cousine meines Gro\u00dfvaters, geheiratet. Aus dieser sehr gl\u00fccklichen Ehe waren bereits f\u00fcnf Kinder vorhanden, und nun wiederholte sich f\u00fcr ihn das Problem, vor das auch sein Vater gestellt gewesen war: eine m\u00f6glichst gute, deutschsprachige, wenn m\u00f6glich humanistische Erziehung. Das alles lie\u00df sich unter den unsicheren politischen Verh\u00e4ltnissen und bei&nbsp;knappen Geldmitteln nur schwer oder gar nicht verwirklichen. So entschied er sich 1919 in Czernowitz zu bleiben, w\u00e4hrend die Familie nach Wien zur\u00fcckkehrte. Uninfor\u00admierte Leute hielten die Ehe sogar f\u00fcr geschieden. Zwei Drittel des Jahres lebte er in seinem Institut in Czernowitz: ein schmales Feldbett und m\u00e4\u00dfige Betreuung durch einen \u00e4ltlichen Diener, Essen in einer bescheidenen Gastwirtschaft, das dritte Drittel \u2013 die Hochschulferien \u2013 verbrachte er in Wien bei Frau und Kindern. Die Situation f\u00fcr seine Familie war \u00e4u\u00dferst schwierig, die Zeiten waren schlecht und au\u00dferdem konnte sein Gehalt nicht legal \u00fcberwiesen werden. Trotz dieser widrigen Umst\u00e4nde absolvierten vier seiner f\u00fcnf Kinder ein Hochschulstudium.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1935 starb seine Frau, aber die leidenschaftliche Sehnsucht nach einem behaglichen Zuhause veranlasste ihn, 1939 wieder zu heiraten.&nbsp;Seine zweite Frau war eine langj\u00e4hrige Bekannte, eine Kriegerwitwe aus dem Ersten Weltkrieg. Als die Russen 1940 die Bukowina und damit auch Czernowitz besetzten, befand er sich mit seiner Frau gl\u00fccklicherweise gerade au\u00dferhalb der Stadt. Unter Zur\u00fccklassung ihrer ge\u00adsamten Habe fl\u00fcchteten sie zu Fu\u00df \u00fcber das Gebirge in das rum\u00e4nisch gebliebene Sieben\u00adb\u00fcrgen, nach Hermannstadt (heute: Sibiu). Dort wurde er Ende des Jahres infolge Erreichung der Alters\u00adgrenze von 65 Jahren von der rum\u00e4nischen Unterrichtsbeh\u00f6rde in den Ruhestand versetzt. Nach einer kurzen Zeit im polnischen \u0141\u00f3d\u017a konnte er im Sommer 1941 mit seiner Frau zur\u00fcck nach Wien \u00fcbersiedeln. Am 5. Januar 1945 setzte ein Herzschlag auf offener Stra\u00dfe seinem arbeitsreichen Leben ein pl\u00f6tzliches Ende. Bei Durchsicht der Titel seiner wissenschaftlichen Arbeiten ist eine Affinit\u00e4t zu den alten \u00c4gyptern \u00fcbrigens nicht zu \u00fcbersehen. Ein fast vollst\u00e4ndiges Verzeichnis derselben befindet sich in der Bibliothek der Zoologisch-botanischen Gesellschaft in Wien.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><em>Entstehung des Aegyptischen Struwwelpeter<\/em><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Tagebucheintragung vom Donnerstag den&nbsp;<em>19. October 1893<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>\u201eAls ich um 2 Uhr aus den Vorlesungen kam, erwartete mich die furchtbare Nach\u00adricht, da\u00df ich die Tanzstunde bei Gersunys besuchen m\u00fcsse, wo Billroths, Nothnagels, Tolds etc. Unterricht nehmen werden. Das wird sch\u00f6n werden, ich gratuliere. Andere Schmerzen haben die nicht! &#8230;\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was hat nun diese Tanzstunde bei Gersunys mit dem Aegyptischen Struwwelpeter zu tun? Tanzen zu k\u00f6nnen geh\u00f6rte damals einfach zur Erziehung ab einer gewissen sozialen Schicht. Dieses Problem wurde meist so gel\u00f6st, dass befreundete Familien abwechselnd in den eigenen R\u00e4umen oder immer bei derselben Familie private Tanzstunden abhielten. Sie engagierten dazu einen \u201eTanzmeister\u201c und einen Klavierspieler, und das Vergn\u00fcgen konnte beginnen. Richard Netolitzky schreibt in seinen&nbsp;<em>\u201eErinnerungen\u201c<\/em>&nbsp;dazu: \u201e &#8230;&nbsp;<em>bei ihnen lebte sein Neffe Edmund Gersuny (Eltern gestorben) und seine schwerh\u00f6rige Mutter. Der junge Gersuny besuchte das Gymnasium in Seitenstetten (Nieder\u00f6sterreich)&nbsp;<\/em>[das 1814 gegr\u00fcndete Stiftsgymnasium der Benediktiner].&nbsp;<em>&#8230; Frau Gersuny war den Mitsch\u00fclern ihres Neffen Edmund sehr zugetan. Um die alten Beziehungen mit der Jugend nicht einschlafen zu lassen, veranstaltete Tante Gersuny (so hie\u00df sie allgemein) eine Tanzstunde in ihrer Wohnung, wo sich die erw\u00e4hnten Kameraden ein Mal w\u00f6chentlich zum Tanzein\u00fcben treffen konnten, aber auch andere junge Leute aus gut ausgew\u00e4hlten Familien (haupts\u00e4chlich die M\u00e4dchen, denn Herren waren genug da) fanden sich ein. Da gab es zwei T\u00f6chter Billroth, eine Tochter Nothnagel, zwei Geschwister von Thausing, zwei Geschwister Holzknecht, zwei Geschwister Netolitzky (Fritz und Emma). Schwester Magdalene und ich&nbsp;<\/em>(Richard)<em>&nbsp;wurden als \u00fcber die Altersgrenze hinaus nur zu den monatlichen \u201aVerl\u00e4ngerten Tanzstunden\u2019 empfangen. &#8230; Getanzt hab ich nicht viel, zog mich meist mit Edmund zur\u00fcck zum Wein, &#8230;\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer waren aber \u201eGersunys\u201c, bei denen Fritz und Emma die Tanzstunde besuchten? Dr. Robert Gersuny (1844\u20131924) war ein angesehener Wiener Arzt, ein Chirurg, der eng mit Theodor Billroth zusammenarbeitete. Theodor Billroth (1829\u20131894) war ein bedeutendes Mitglied der Wiener Medizinischen Schule, der Bahnbrechendes leistete. Unter anderem f\u00fchrte er die Mischnarkose aus \u00c4ther und Chloroform ein und erfand den sgn. \u201eBillroth-Batist\u201c, einen wasserdichten Verbandsstoff. Die wirkungsvollste Einrich\u00adtung, die auf seine Initiative zur\u00fcckgeht und auch heute noch besteht, ist das \u201eRudolfinerhaus\u201c. Diese Ausbildungsst\u00e4tte geht auf eine Stiftung des Thronfolgers Kronprinz Rudolf zur\u00fcck. Es ist dies eine Schule zur Heranbildung von Krankenpflegerinnen, die Billroth selbst bis zu seinem pl\u00f6tzlichen Tod leitete. Dr. Gersuny \u00fcbernahm nach Billroths Tod die Leitung der Anstalt. Er entwickelte aber auch chirurgische und gyn\u00e4kologische Ope\u00adrationsmethoden, und auf dem Gebiet der plastischen Chirurgie war er f\u00fchrend.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Familien Netolitzky und Gersuny waren \u00fcber den Beruf der V\u00e4ter schon lange befreundet und auch der Vater der sp\u00e4teren Frau von Fritz Netolitzky \u2013 meiner Gro\u00dftante \u2013 war ein bekannter Wiener Arzt, der sich besonders der Armen annahm. Gersunys f\u00fchrten ein gastfreundliches Haus, in dem zahlreiche bekannte und bedeutende Per\u00ads\u00f6nlichkeiten der Wiener Gesellschaft verkehrten, unter ihnen auch die Dichterin Marie von Ebner-Eschenbach (1830\u20131916).&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Interessanterweise bringen sie am Nachmittag des 24. Dezember 1893 ein Buch ins Haus Gersuny, im Tagebuch hei\u00dft es dazu:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>\u201e &#8230; Nachmittag mu\u00dften wir selbst aber hin, da wir einen Strubelpeter hinbringen mu\u00dften, den die Magda auf dem Heimwege gekauft hatte, da der Edmund keinen gefunden hatte. Wahrscheinlich hat er ihn in Caffeh\u00e4usern gesucht. &#8230;\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr wen dieses Buch bestimmt ist, geht nicht hervor, vermutlich f\u00fcr ein kleines Kind im Bekanntenkreis der Gersunys.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Weiter hei\u00dft es nun im Tagebuch \u00fcber die Feier im Familienkreis:&nbsp;<em>\u201eDie Feier selbst war sehr sch\u00f6n und von allen Geschenken, wie sehr mich auch jedes einzelne freute, r\u00fchrte mich besonders ein Geschenk der Gersuny, ein Buch! Man sollte es nicht glauben, da fri\u00dft und s\u00e4uft man wie ein Scheunendrescher, tanzt ganz umsonst und dann macht sie einem noch Geschenke! Da mu\u00df man ihr auch einen Gefallen tun! Aber was? &#8230; Ja, auch Richard und Magda haben B\u00fccher von der Gersuny, der ,Tanztante\u2019 bekommen&#8230;\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am 26. Dezember hei\u00dft es:<em>&nbsp;\u201e &#8230;F\u00fcr die Gersuny wollen wir&nbsp;einen&nbsp;\u00e4gyptischen Strubel\u00adpeter&nbsp;<\/em>[sic!]<em>machen. Den ,bitterb\u00f6sen\u2019 Friederich haben wir schon. Meine Idee. &#8230;\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>&nbsp;<\/em>27. Dezember 1893: \u201e<em>&nbsp;&#8230; Abends holten wir die Emma vom Turnen ab, und w\u00e4hrend wir so warteten und den Strubelpeter besprachen, kam mir der gloriose Gedanke, den ,Hans Guckindieluft\u2019 in ein M\u00e4dchen zu verwandeln, welches sich nach Studenten umdreht. Der ganze Gedanke stammt \u00fcberhaupt von mir, das kann famos werden. &#8230;\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">29. Dezember 1893:&nbsp;<em>\u201e &#8230;,Der ,Robert\u2019 f\u00fcr die Gersuny wird in einen verwandelt, der mit der Krinoline seiner Mutter im Samum heruml\u00e4uft. (Auch meine Idee, Richard f\u00fchrt es immer aus &#8230; H\u00e4tten wir Geld gehabt, so h\u00e4tten wir bei einem Schoppen<\/em>&nbsp;(ein Glas Wein<em>&nbsp;<\/em>oder Bier)<em>&nbsp;\u00fcber den Strubelpeter nachgedacht, so mu\u00dften wir aber sch\u00f6n nach Haus gehen, wo wir dann eine Partie Halma spielten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">30. Dezember 1893:&nbsp;<em>\u201e &#8230; Beim Lernen rauchte ich die Pfeifenspitze von Richard an, wobei mir der Gedanke kam, aus&nbsp;<\/em>[recte: dass]<em>&nbsp;Paulinchen in einen verwandelt wird, der \u00fcber die Pfeife von seinem Vater kommt, und Richard machte aus dem Suppenkaspar den Walzer\u00adramses.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In die Universit\u00e4tsbibliothek und in den&nbsp;<em>Rede- und Leseverein der deutschen Hoch\u00adsch\u00fcler in Wien \u201eGermania\u201c<\/em>&nbsp;gehen die Br\u00fcder zwecks Studien, aber auch zum Privatver\u00adgn\u00fcgen. Sie lesen dort in vorlesungsfreier Zeit und entlehnen B\u00fccher. Am 5. J\u00e4nner 1894 sind sie in der Universit\u00e4tsbibliothek,&nbsp;<em>\u201e &#8230; wo Richard im Uhlemann zum Strubelpeter suchte, w\u00e4hrend ich in einer zweib\u00e4ndigen Geschichte Indiens bl\u00e4tterte. Dann machte ich mich auch \u00fcber \u00c4gypten her und das Buch fesselte mich derart, dass ich mir vornahm, bald wieder drin zu lesen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am 10. J\u00e4nner 1894 steht im Tagebuch&nbsp;<em>\u201e &#8230; und die Magda zeichnete einige Bilder zum Strubelpeter, die auch sehr gut sind, da sich Magda im Museum&nbsp;<\/em>(Kaiserlich-K\u00f6nigliches Hofmuseum)<em>&nbsp;von Originalen Copien gemacht hat.&nbsp;<\/em>Bei diesen Originalen handelt es sich um die bereits er\u00adw\u00e4hnten Malereien von Ernst Weidenbach, die auch heute noch zu bewundern sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eifrig trugen die Geschwister Informationen \u00fcber \u00c4gypten aus verschiedenen B\u00fcchern zusammen, damit alles seine Richtigkeit h\u00e4tte, und die Arbeit nahm in der Freizeit ihren Fortgang.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sonntag, 28. J\u00e4nner 1894:&nbsp;<em>\u201e &#8230; W\u00e4hrend Richard unten im Garten lernte, schlief ich auf dem Sofa den Schlaf des Gerechten, bis ich endlich um 4 Uhr des Guten genug getan hatte und einige Bl\u00e4tter f\u00fcr den Strubelpeter anfertigte.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Freitag, 2. Februar 1894:&nbsp;<em>\u201e &#8230; Statt ins Kaffee zu gehen, wie wir zuerst vorhatten, ar\u00adbeiteten wir am Strubelpeter, der ja bis Ende Feber fertig sein mu\u00df. Papa scheint es selbst zu gefallen.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Samstag, 3. Februar 1894:&nbsp;<em>\u201e &#8230; Dann wurde gefaulenzt und Papier f\u00fcr den Struwwel\u00adpeter fabriziert, bis wir ins Bureau um Correcturen gehen mu\u00dften &#8230;\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Motto in einem der Tageb\u00fccher von Fritz lautet: \u201e<em>Ein schlechter Spiegel, der nur das Sch\u00f6ne zeigt. Noch schlechter ein Tagebuch, welches die Fehler verschweigt.\u201c<\/em>&nbsp;Getreu diesem Wahlspruch trug er auch seine Gedanken \u00fcber verschiedene M\u00e4dchen ein, die ihm gefallen, so gibt es auch einen Eintrag \u00fcber meine Gro\u00dftante: \u201e<em>&nbsp;&#8230; aus diesem Grund ver\u00ads\u00e4umten wir auch Gunzens, was mir leid tat, da ich die Kitti gern kennen gelernt h\u00e4tte, in welche ich verliebt zu sein scheine, ohne sie gesehen zu haben. Das ist doch zu dumm, ei\u00adgentlich schon bl\u00f6d. &#8230;\u201c<\/em>&nbsp;(Es dauert \u00fcbrigens noch mehr als 10 Jahre, bis Fritz Netolitzky am 10. November 1904 meine Gro\u00dftante heiratet.)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als die Nachricht vom Tod Prof. Billroths (6. Februar 1894 in Abbazia\/Opatija) in Wien eintraf, endete auch die Tanz\u00adstunde bei Gersunys, was Fritz au\u00dferordentlich bedauerte. Die Bemerkungen \u00fcber seinen Ein\u00adstellungswandel lassen fast vermuten, dass<em>&nbsp;er<\/em>&nbsp;das Vorbild f\u00fcr den \u201eWalzer-Ramses\u201c gewesen ist.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sonntag, 25. Februar 1894: \u201e&nbsp;<em>&#8230; Nachmittag ,machte\u2019 ich Papier f\u00fcr den Strubelpeter und faulenzte dann in einer furchtbaren Weise, was einem sehr wohl tut, wenn man sich die ganze Woche geschunden hat\u201c.&nbsp;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Brief von Hedwig Netolitzky (der Mutter der drei Autoren) vom 11. M\u00e4rz 1894:&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u201e &#8230;&nbsp;<em>Magda malt an ihrem Struwwelpeter f\u00fcr Frau Gersuny, der jetzt lange still gelegen, die rechte Lust fehlt jetzt eben dazu &#8230; \u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Brief von Hedwig Netolitzky (der Mutter der drei Autoren) vom August 1894:&nbsp;<em>\u201e &#8230; die Geschichte mit dem Struwwelpeter hat uns sehr gefreut, doch darf man nicht zu viel Wert darauf legen. Gersuny schrieb, da\u00df er bei seiner R\u00fcckkunft mit Magda sprechen wollte, dass<\/em>&nbsp;<em>im Herbst 95 dann wohl das Buch erscheinen k\u00f6nnte, an dem aber doch noch einzelne Ver\u00e4nderungen vorgenommen werden m\u00fc\u00dften, da sich ja Einzelnes nicht f\u00fcr einen gr\u00f6\u00dferen Kreis eignet, im Ganzen sind das aber doch nur Kleinigkeiten und ich w\u00fcrde mich so freuen f\u00fcr die Kinder; besonders f\u00fcr Magda, die ja stets so bescheiden ist. &#8230;\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Tagebuch von Fritz,&nbsp;<em>October 1894:<\/em>&nbsp;<em>\u201e &#8230; Au\u00dferordentlich nahm die ganze Familie der Struwelpeter in Anspruch, der wirklich ganz h\u00fcbsch zu werden versprach und an welchem wir alle unsere Freude hatten. Ich fabriziere das Papier, Richard die Gedichte und Magda malt es in grellen Farben, ihrer Phantasie vollen Spielraum lassend. Am Sonntag 7\/10 wurde er durch mich und die Emma der Frau Gersuny gebracht, doch sah sie ihn erst an, als wir schon weg waren. &#8230; In diesem Monat begannen auch die franz\u00f6sischen Stunden, die uns zuerst immer mit Furcht und Schrecken erf\u00fcllten, bis wir endlich die Technik heraushatten, bei welcher wir am besten, das Lernen aber minder gut weg kam. Wir unterhielten uns flei\u00dfig deutsch und lernten doch dabei so viel, da\u00df wir nach einigen Monaten ziemlich viel verstanden. Die Frau Gersuny zahlt die Stunden, \u201aum der Franz\u00f6sin aufzuhelfen\u2019. &#8230;\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vom 12. April 1895 existiert noch eine Origi\u00adnalvisitenkarte von Dr. Gersuny, auf der er Magda Folgendes mitteilt:&nbsp;<em>Liebes Fr\u00e4ulein Magda! Der Verleger m\u00f6chte das egyptische Buch Ende April nach Leipzig nehmen, jedoch verlangt er die Aenderung des Titels in Egypt. Struwwelpeter und als erstes Blatt statt des Gigerl-Typhon ein dem Titel entsprechendes. Wird die Autoren-Compagnie dies leisten wollen? Herzlichen Gru\u00df! R. Gersuny<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Typhon ist eigentlich eine Gottheit der griechischen Mythologie, und zwar der j\u00fcngste Sohn von Gea und Tartaros. Er wird als Riese mit 100k\u00f6pfigen Schlangen- oder Drachenk\u00f6pfen dar\u00adgestellt und wurde sp\u00e4ter von den Griechen mit Gott Seth identifiziert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Tagebucheintrag von Hedwig Netolitzky vom 10. August 1895:&nbsp;<em>\u201e &#8230;<strong>&nbsp;<\/strong>Dr. Gersuny brachte das 1. Exemplar &#8230; \u201c&nbsp;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">27. Oktober 1895: Dr. Gersuny \u00fcberbringt fl. 150,- Gulden als Honorar f\u00fcr die Autoren-Compagnie. Die Freude der Geschwister war riesig, auch wenn sie noch keine Exemplare in der Hand hatten, sind sie doch f\u00fcr die n\u00e4chsten Tage versprochen. Lithographie und Druck erfolgten bei Nister in N\u00fcrnberg, verlegt wurde bei Gerold\u2019s Sohn in Wien.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer veranlasste nun den Druck dieser Parodie? Frau Gersuny legte das originelle Ge\u00adschenk im Salon zur Ansicht auf, um es ihren G\u00e4sten zu zeigen. Der \u00dcberlieferung zufolge h\u00e4tte Marie von Ebner-Eschenbach ihren Verleger Gerold\u2019s Sohn dazu \u00fcberredet, infolge ungen\u00fcgender rechtlicher Absicherung sei es aber zur Klage von R\u00fctten &amp; Loening, dem Originalverlag des Struwwelpeters, gekommen. In der Verlagsgeschichte von R\u00fctten &amp; Loening, die ich auf Hinweise bez\u00fcglich der Plagiatsklage gelesen habe, findet sich nicht ein einziger Hinweis auf diese Sache. Ich f\u00fcrchte auch, dass in den Archiven keine Un\u00adterlagen mehr diesbez\u00fcglich vorhanden sind. Der Verlag wechselte n\u00e4mlich mehrmals im Verlauf seines Bestehens den Sitz, sowohl innerhalb Frankfurts als auch innerhalb Deutsch\u00adlands. Die gr\u00f6\u00dften Verluste im Verlagsarchiv entstanden in den letzten Kriegsmonaten. Nach Templin ausgelagertes Material (ca. 60 km n\u00f6rdl. von Berlin), war&nbsp;<em>\u201ezum Zusch\u00fctten von Luft\u00adschutzgr\u00e4ben im Wald\u201c<\/em>&nbsp;verwendet worden. Als man es endlich wieder ausgraben konnte und wollte, war es zum Gro\u00dfteil verdorben. Weitaus kostbarere Dinge als ein diesbez\u00fcglicher Briefwechsel gingen dabei zugrunde, n\u00e4mlich B\u00fccher, Originalmanuskripte, Vertr\u00e4ge u.v.a.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Archiv von Gerold\u2019s Sohn befindet sich in der Wiener Stadt- und Landesbibliothek. Frau Dr. Luitgard Knoll, eine Enkelin von Fritz Netolitzky, hat schon 1975, anl\u00e4sslich der Neuauflage bei Kindler in M\u00fcn\u00adchen, die Materialien f\u00fcr den betreffenden Zeitraum durchforscht, fand aber leider auch keinen Hinweis auf den Vorfall.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach dem Tode Frau Gersunys kam das Original des Aegyptischen Struwwelpeters an die Familie von Magda Netolitzky, verh. Kuzmany, zur\u00fcck. Dort existierte es auch bis April 1945, bis durch einen Bombentreffer die Wohnung ausbrannte und auch das Original, der sgn. \u201eUrstruwwelpeter\u201c verbrannte. Der Verlust ist umso bedauerlicher, als es im Original eine Geschichte mehr gab, als in der gedruckten Ausgabe, und zwar zum Zappel-Philipp. In dieser Geschichte wurde die Rekrutenausbildung verulkt, und 1895 war es auch in der \u00d6sterreichisch-Ungarischen Monarchie nicht ratsam, die heilige Institution Milit\u00e4r zu persiflieren. M\u00fcndlich \u00fcber\u00adliefert ist nur die letzte Zeile, und die klingt frevelhaft genug: \u201ePereat das Milit\u00e4r!\u201c (d.h.: Nieder mit dem Milit\u00e4r!)&nbsp;Ebenso ging damit ein pseudo-wissenschaftliches Vorwort verloren, in dem erkl\u00e4rt wurde, der Frankfurter Struwwelpeter sei eine Nachahmung des \u201eAegyptischen Struwwelpeter\u201c, der aufgefundene Papyrus, der die Vorlage f\u00fcr das Buch gewesen sei, sei nat\u00fcrlich viel \u00e4lter!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><em>Der Plagiats-Prozess<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Angeregt durch einen Vortrag im Jahr 2012, im Rahmen des j\u00e4hrlichen Treffens des \u201eFreundeskreis Struwwelpeter-Museum\u201c besch\u00e4ftigte ich mich wieder intensiv mit der \u00fcberlieferten Entstehungsgeschichte<sup>&nbsp;<\/sup>des Buches<a href=\"applewebdata:\/\/8C360889-3104-4CDB-ADF2-0D001FACE2A3#_edn2\"><sup>[ii]<\/sup><\/a>. In der wird berichtet, dass wie bereits erw\u00e4hnt Marie von Ebner-Eschenbach eine entscheidende Rolle bei der Herausgabe des Buches gespielt h\u00e4tte. Auch die Version vom Geburtstagsgeschenk f\u00fcr \u201eTante Bertha\u201c war fester Bestandteil der famili\u00e4ren \u00dcberlieferung. Gro\u00dfe Unklarheit gab es auch wegen des bereits erw\u00e4hnten Plagiatsprozesses, der von R\u00fctten &amp; Loening angestrengt worden war, von dessen genauem Ausgang bisher keine gesicherten Fakten bekannt waren.&nbsp;&nbsp;Die hohen Preise, die das Buch in Antiquariaten und bei Auktionen erzielte, beruhten auf den angeblich \u201ewenigen Exemplaren\u201c, die erhalten geblieben seien. Die Auflage h\u00e4tte eingestampft werden m\u00fcssen laut gerichtlichem Bescheid.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sofort dachte ich an die kurze Nachricht an Magdalena Netolitzky vom 12. April 1895, die sie auf einer Visitenkarte von Dr. Gersuny, dem Ehemann der Beschenkten, erhalten hatte. Er fragt bei ihr an, ob die&nbsp;<em>\u201eAutoren-Compagnie\u201c<\/em>&nbsp;den vom Verleger vorgeschlagenen \u00c4nderungen bez\u00fcglich Titel und Illustration zustimmt. Warum wandte sich der Verleger an Gersuny, wenn die Verbindung angeblich doch durch Ebner-Eschenbach entstanden war, wie es in der Familie \u00fcberliefert ist? W\u00e4re das tats\u00e4chlich der Fall gewesen, h\u00e4tte Gerold sich bestimmt direkt an die Familie Netolitzky gewandt. Gersuny als Vermittler war logisch, weil dieser selbst als Autor bei Gerold\u2018s Sohn betreut wurde, wie Dr. Sauer herausgefunden hatte. Ebner-Eschenbach hatte laut ihm andere Verleger. Gersuny ist es auch, der den Geschwistern Netolitzky das erste Exemplar und fl. 150.- Honorar \u00fcberbringt, wie Fritz Netolitzky in seinen Tageb\u00fcchern vermerkte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Darin gibt es einen Eintrag vom 11. April 1896, als er bei den Verwandten in Rokitnitz ist:<em>&nbsp;\u201e \u2026 Ich wurde sehr freundlich, wie immer, aufgenommen, mu\u00dfte viel erz\u00e4hlen, erfuhr daf\u00fcr meinerseits auch manches, z. B. da\u00df der Struwelpeter frei gegeben worden sei.\u201c&nbsp;<\/em>&nbsp;Dieser Satz besch\u00e4ftigte mich schon lange, er war aber quasi eine Sackgasse, ich fand keine&nbsp;beweisbare&nbsp;Erkl\u00e4rung daf\u00fcr. Ich wandte mich an einen Klassenkollegen, einen Juristen und Historiker, um Rat. Bevor das noch tats\u00e4chlich geschehen war, erhielt ich Mitte November 2012 Nachricht von einem Mitglied der Familie Netolitzky. Der Betreffende schrieb, er h\u00e4tte beim Aufr\u00e4umen in alten Dokumenten einen Zeitungsartikel gefunden. Er stammt aus dem&nbsp;<em>\u201eNeues Wiener Tagblatt\u201c, (Oster-Dienstag,) 7. April 1896<\/em>; in der Rubrik&nbsp;<em>\u201eGerichtssaal\u201c<\/em>&nbsp;steht Folgendes:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>(Der egyptische Struwwelpeter \u2013 freigegeben.) Kurz nach Neujahr berichteten wir, da\u00df dem alten \u201eStruwwelpeter\u201c eine Concurrenz erwachsen sei, durch den \u201eegyptischen Struwwelpeter\u201c, der zu Weihnachten das Licht der Buchhandlungen erblickt hatte. Das Auftauchen des egyptischen schlimmen Buben hatte n\u00e4mlich einen Nachdrucksproce\u00df zur Folge, welchen die Frankfurter Verlagsfirma Rutten u. L\u00f6ning&nbsp;<\/em>(sic!)<em>gegen die Verlagsanstalt Gerold\u2019s Sohn anstrengte. Letztere Firma zog hierauf dieses Buch kurz nach seinem Erscheinen wieder aus dem Handel. Wie wir nun erfahren, ist auf Grund einer oberlandesgerichtlichen Entscheidung das&nbsp;<u>Verfahren eingestellt<\/u>&nbsp;<a href=\"applewebdata:\/\/8C360889-3104-4CDB-ADF2-0D001FACE2A3#_edn3\"><sup><strong><sup>[iii]<\/sup><\/strong><\/sup><\/a><\/em><sup>&nbsp;<\/sup><em>und dem \u201eegyptischen Struwwelpeter\u201c, dessen Verfasserin die junge Tochter eines Wiener Staatsbeamten ist, der Weg in die Kinderstuben freigegeben worden.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich konnte mein Gl\u00fcck kaum fassen, ich hatte das Ende des Fadens in der Hand! Ich musste nur den Anfang finden. Von meinem Klassenkollegen wollte ich nun nicht mehr und nicht weniger, als die Einsicht in Gerichtsakten aus dem Jahr 1895\/1896, so sie noch vorhanden w\u00e4ren. Inzwischen suchte ich in der Mikrofilmabteilung der \u00d6sterreichischen Nationalbibliothek im&nbsp;<em>Neuen Wiener Tagblatt&nbsp;<\/em>nach dem erw\u00e4hnten Artikel&nbsp;<em>\u201ekurz nach Neujahr\u201c,&nbsp;<\/em>aber auch nach eventuellen Ank\u00fcndigungen anl\u00e4sslich des Erscheinens des Buches vor Weihnachten; November und Dezember 1895 fand sich keine Meldung zur Neuerscheinung. Am 19. J\u00e4nner 1896 wurde ich endlich f\u00fcndig:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Gerichtssaal<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>(Ein Proce\u00df um den \u201eStruwwelpeter\u201c.) Welchem kleinen Thunichtgut hat die Mutter nicht schon mit dem Struwwelpeter gedroht, bevor das B\u00fcrschchen noch lesen konnte? Und wenn es soweit war, hat es sich nicht stundenlang an den so lustigen Bildern unterhalten und den Peter mit den gestr\u00e4ubten langen Haaren und ellenlangen Fingern\u00e4geln nicht ausgelacht? Das in der ganzen Welt verbreitete Bilderbuch mit seinen drolligen Reimen hat bekanntlich der Arzt und Kinderfreund Dr. Heinrich Hofmann&nbsp;<\/em>(sic!)<em>&nbsp;in Frankfurt verfa\u00dft, eben bereitet man die zweihundertste Auflage des \u201eStruwwelpeter\u201c vor. Da erschien kurz vor Weihnachten ein neues Buch im Handel, \u201eDer egyptische Struwwelpeter\u201c benannt, in welchem der gute deutsche Peter in Wort und Bild ins Egyptische \u00fcbertragen erscheint. Aus dem b\u00f6sen Friedrich<\/em>(sic!)<em>&nbsp;wird da ein b\u00f6ser \u201ePsammetich\u201c, aus dem gro\u00dfen Niklas ein Osiris, aus dem schlimmen Philipp, der niemals ruhig bei Tische sitzen wollte, ein Thutmes, der die Pyramiden von Gizeh erklettert und auf gr\u00e4\u00dfliche Weise verungl\u00fcckt.<\/em><a href=\"applewebdata:\/\/8C360889-3104-4CDB-ADF2-0D001FACE2A3#_edn4\"><sup>[iv]<\/sup><\/a>&nbsp;<em>Der Suppen-Kaspar hat sich in einen Walzer-Rhamses&nbsp;<\/em>(sic!)<em>&nbsp;verwandelt u.s.w. Ob der egyptische Charakter, den die Struwwelpeter-Figuren in dem neuen Bilderbuche trugen, unserer heutigen Jugend zusagen w\u00fcrde, konnte aber bisher nicht erprobt werden, denn die Verlagshandlung Carl Gerold\u2019s Sohn, bei welcher der egyptische Struwwelpeter erschien, zog unmittelbar vor Weihnachten dieses Buch aus dem Handel. Kurz nach dem Erscheinen desselben hatte n\u00e4mlich die Frankfurter Verlagshandlung R\u00fctten u. L\u00f6ning&nbsp;<\/em>(sic!)<em>, welche das Verlagsrecht f\u00fcr den echten Struwwelpeter innehat, beim Landesgerichte eine Klage wegen unbefugten Nachdruckes, begangen durch die Herausgabe des \u201eegyptischen Struwwelpeters\u201c, erhoben. Die Verlagsfirma Gerold zog daraufhin, wie erw\u00e4hnt, das Buch bis nach Austragung des Processes zur\u00fcck. Dem Gerichte liegen bereits in dieser Sache zwei Sachverst\u00e4ndigengutachten vor, allein dieselben widersprechen einander vollst\u00e4ndig. W\u00e4hrend in dem einen Gutachten erkl\u00e4rt wird, da\u00df der \u201eegyptische Struwwelpeter\u201c auf Grundlage des alten deutschen Struwwelpeters geschrieben und der Inhalt theilweise hin\u00fcbergenommen wurde, behauptet das zweite, da\u00df der \u201eegyptische Struwwelpeter\u201c ein ganz neues, auf originalen Ideen basirendes&nbsp;<\/em>(sic!)<em>&nbsp;Buch sei. Ob dieser Proce\u00df vor den Schranken des Gerichtes ausgetragen wird, ist in dem gegenw\u00e4rtigen Stadium nicht vorauszusehen; jedenfalls machen die Verleger des Dr. Hofmann&nbsp;<\/em>(sic!)<em>&nbsp;alle Anstrengungen, um die alten, angestammten Rechte ihres Struwwelpeters zu wahren.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>(Neues Wiener Tagblatt, 30. Jg. Nr 18; Sonntag, 19. J\u00e4nner 1896)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Bericht ist z. T. ident mit einem Beitrag in den&nbsp;<em>\u201eNachrichten aus dem Buchhandel\u201c, Nr. 20 vom 25. Januar 1896, S. 194f<\/em>.&nbsp;&nbsp;Die \u201e<em>Nachrichten aus dem Buchhandel\u201c<\/em>&nbsp;erschienen in Deutschland sechs Tage nach dem Artikel im \u201eNeuen Wiener Tagblatt\u201c. Der \u201eStruwwelpeter\u201c war damals weit \u00fcber die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt, was die vielen \u00dcbersetzungen der damaligen Zeit beweisen. Es erstaunt aber doch, dass am 6. Februar 1896 im&nbsp;<em>\u201eRotterdamsch Nieuwsblad\u201c<\/em>&nbsp;der Artikel aus dem \u201eNeuen Wiener Tagblatt\u201c nahezu gleichlautend \u00fcbernommen wurde, m\u00f6glicherweise aber auch aus den \u201eNachrichten aus dem Buchhandel\u201c.<a href=\"applewebdata:\/\/8C360889-3104-4CDB-ADF2-0D001FACE2A3#_edn5\"><sup>[v]<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mein Klassenkollege fand zwar keine Gerichtsakten, aber eine plausible Erkl\u00e4rung f\u00fcr die Abweisung der Klage und Einstellung des Verfahrens, n\u00e4mlich ein Gesetz:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Gesetz vom 26. December 1895 (enthalten in dem heute, den 31. December 1895, ausgegebenen XCI. St\u00fcck des RGBl. unter der Nr. 197) betreffend das&nbsp;<\/em>(erste)<em>&nbsp;Urheberrecht an Werken der Literatur, Kunst und Photographie. Mit Zustimmung beider H\u00e4user des Reichsrathes&nbsp;<\/em>(Herrenhaus und Abgeordnetenhaus)<em>&nbsp;finde Ich&nbsp;<\/em>(Kaiser Fr. Joseph I.)<em>&nbsp;anzuordnen wie folgt: \u2026.&nbsp;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>II. Abschnitt, Inhalt des Urheberrechtes<br>&nbsp;a) Bei Werken der Literatur, \u00a7 24, Abs. 3: Als Eingriff in das Urheberrecht (Nachdruck) ist insbesondere anzusehen: \u2026 die Herausgabe eines Auszuges oder einer Bearbeitung, welche&nbsp;<strong>nur<\/strong>&nbsp;das fremde Werk oder dessen&nbsp;<strong>Bestandtheile<\/strong><a href=\"applewebdata:\/\/8C360889-3104-4CDB-ADF2-0D001FACE2A3#_edn6\"><sup><strong><sup>[vi]<\/sup><\/strong><\/sup><\/a><strong>&nbsp;<\/strong>wiedergibt, ohne die Eigenschaft eines Originalwerkes zu besitzen; \u2026&nbsp;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was hie\u00df das nun f\u00fcr den Aegyptischen Struwwelpeter?&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Es handelt sich eindeutig um ein Werk der Literatur<\/li>\n\n\n\n<li>Es gibt keine Bestandteile des Originals wieder, es ist eine BEARBEITUNG mit Originalit\u00e4t; eine solche konnte im Bereich der \u00d6sterreichisch-Ungarischen Monarchie OHNE Zustimmung des urspr\u00fcnglichen Autors und Verlags ver\u00f6ffentlicht werden.<\/li>\n\n\n\n<li>Im Deutschen Reich war die Bearbeitung von literarischen Werken von der Zustimmung des Autors abh\u00e4ngig.<\/li>\n\n\n\n<li>Dieses Gesetz galt auch im Verh\u00e4ltnis deutsches&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Werk\/\u00f6sterreichische Bearbeitung und wurde in der folgenden&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Literatur-Konvention zwischen \u00d6sterreich-Ungarn und dem&nbsp;Deutschen Reich nicht ver\u00e4ndert.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der&nbsp;<em>\u201e\u00d6sterreichischen Buchh\u00e4ndler-Correspondenz\u201c<\/em>&nbsp;fand sich im entsprechenden 37. Jg\/1896 keinerlei Hinweis auf diesen Prozess und so ist wohl davon auszugehen, dass die Sache mit dieser oberlandesgerichtlichen Entscheidung ein gl\u00fcckliches Ende fand.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mein Jagdinstinkt lie\u00df mich weitersuchen, diesmal in der&nbsp;<em>\u201eWiener Zeitung\u201c.<\/em>&nbsp;Ich suchte die oben erw\u00e4hnte Kundmachung des Gesetzes und fand sie in der Nr. 302 vom 31. Dezember 1895 im&nbsp;<em>\u201eAmtlicher Theil\u201c.<\/em>&nbsp;Es wurde am 26. Dezember beschlossen und trat sofort in Kraft. Sein \u00a7 65 lautet n\u00e4mlich:&nbsp;<em>\u201eDas gegenw\u00e4rtige Gesetz tritt mit dem Tag seiner Kundmachung in Wirksamkeit. Es findet auf die&nbsp;<u>vor<a href=\"applewebdata:\/\/8C360889-3104-4CDB-ADF2-0D001FACE2A3#_edn7\"><sup><strong><u><sup>[vii]<\/sup><\/u><\/strong><\/sup><\/a><\/u>&nbsp;Beginn seiner Wirksamkeit erschienenen Werke Anwendung; jedoch bleiben f\u00fcr solche Werke die bisherigen Schutzfristen, insoweit sie l\u00e4nger sind, aufrecht.\u201c&nbsp;<\/em>&nbsp;Der Tag der Kundmachung war der 26. Dezember 1895.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich hoffte au\u00dferdem auch noch auf einen Hinweis auf die Neuerscheinung im Verlag Gerold\u2019s Sohn, bei dem das Verlegen von Kinderb\u00fcchern ja nicht das t\u00e4gliche Gesch\u00e4ft war. Ich wollte einfach nicht glauben, dass dieses Buch ohne Vorank\u00fcndigung, einfach nur so, in den Buchhandlungen verkauft worden sein sollte.&nbsp;Meine Hartn\u00e4ckigkeit wurde belohnt:&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><br>Wiener Zeitung Nr. 268, Dienstag 19. November 1895, p. 5<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der Rubrik&nbsp;<em>\u201eKleine Chronik\u201c<\/em>&nbsp;findet sich folgender Eintrag:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>(Der \u00e4gyptische Struwelpeter)&nbsp;<\/em>(sic!)<em>&nbsp;Ein lustiges Bilderbuch bringt der Verlag von C. Gerold\u2018s Sohn in Wien mit dem \u201e\u00e4gyptischen Struwelpeter\u201c&nbsp;<\/em>(sic!)&nbsp;<em>auf den Weihnachtsmarkt. Kinder und vielleicht auch Unterhaltung suchende Erwachsene werden sich an den alten Geschichten mit ihren flotten bunten Bildern in \u201e\u00e4gyptischem Styl\u201c erheitern und erg\u00f6tzen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich hatte den Anfang des Fadens gefunden!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Lebensdaten von Frau Bertha Gersuny waren immer noch nicht gekl\u00e4rt und damit auch nicht ihr Geburtstag. Wie so oft, sollte sich das Internet hilfreich erweisen. Dort existiert ein Verzeichnis der auf Wiener Friedh\u00f6fen begrabener Personen. Ich hatte keinen Grund zu zweifeln, dass Gersunys nicht in Wien begraben worden w\u00e4ren. Die Lebensdaten von Richard Gersuny fanden sich im \u00d6BL<a href=\"applewebdata:\/\/8C360889-3104-4CDB-ADF2-0D001FACE2A3#_edn8\"><sup>[viii]<\/sup><\/a>&nbsp;&nbsp;und mit diesem Basiswissen startete ich die Suche in der Datenbank der Wiener Friedh\u00f6fe. Gleich der erste Versuch war ein Volltreffer: Das Ehepaar Gersuny liegt am Friedhof Dornbach, Gruppe 14, Reihe 3, Grabnummer 35. Dr. Robert Gersuny starb am 31. 10. 1924 und wurde am 3.11. 1924 beigesetzt. Frau Bertha Gersuny ist am 05. 04. 1900 verstorben und wurde am 07. 04. 1900 beigesetzt. Die genauen Lebensdaten waren leider nicht vermerkt, aber das Alter der Verstorbenen war mit 56 Jahren angegeben. Dazu bekam ich noch einen Hinweis vom Kundenservice, wo eventuell genaue Lebensdaten zu erfahren sein k\u00f6nnten, u. z. im Wiener Stadt- und Landesarchiv. Dort g\u00e4be es m\u00f6glicher Weise noch die Verlassenschaftsakte. Meine Anfrage dort war zum Teil erfolgreich: Von Robert Gersuny existierte kein entsprechender Akt, aber von Bertha Gersuny. Der in z. T. leserlicher und z. T. unleserlicher Schrift abgefasste Verlassenschaftsakt verriet mir, dass Frau Gersuny eine geborene Bertha G\u00f6tzl aus Lauterbach in B\u00f6hmen\/Kreis Teplitz war, dass sie keine leiblichen Nachkommen, aber eine zahlreiche Verwandtschaft hatte, die erbberechtigt war. Das gesuchte Geburtsdatum fand sich zu meiner Verwunderung nicht, aber das Alter bei Ableben \u2013 56 Jahre \u2013 fand ich best\u00e4tigt. Ich rechnete und stellte fest, dass Frau Gersuny vermutlich genauso alt gewesen war, wie ihr Mann: waren beide 1844 geboren? Robert Gersuny wurde am 15. J\u00e4nner 1844 geboren, das ist sicher.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dr. Sauer r\u00e4tselte in seinem Vortrag in der&nbsp;<em>\u201eGar traurigen Geschichte vom Rauchtabak\u201c<\/em>&nbsp;am Datum des Dekrets (11. Ahyr), das Minderj\u00e4hrigen und Damen das Rauchen verbietet, ob es vielleicht der Geburtstag von Bertha Gersuny ist. Dieser Tag f\u00e4llt laut Wikipedia in den September, in der vordynastischen Zeit in den Oktober. Ist der 11. Oktober der Geburtstag von Frau Gersuny, und doch nicht Ende Februar? Dann w\u00e4re sie 1843 geboren und somit sogar um 3 Monate \u00e4lter als ihr Mann. Ihr Alter wird im April 1900 mit 56 Jahren angegeben, d. h. sie war noch nicht 57 Jahre alt bei ihrem Tod.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Geburtstage der drei Autoren fallen ebenfalls in die angegebene Zeitspanne f\u00fcr den Ahyr\/Hathyr \u2013 September oder Oktober; gibt es dazu einen Bezug? Magdalena \/4. September, Richard \/19. September, Fritz \/1. Oktober.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine andere und sehr wahrscheinliche M\u00f6glichkeit der \u201eGeschenks-Variante\u201c gibt es m. E. noch: In einem Brief vom M\u00e4rz 1894 schreibt die Mutter der drei Autoren an ihre eigene Mutter, dass die Arbeit am Struwwelpeter lange geruht h\u00e4tte.&nbsp;&nbsp;\u201e\u2026<em>Magda malt an ihrem Struwwelpeter f\u00fcr Frau Gersuny, der jetzt lange still gelegen, die rechte Lust fehlt jetzt eben dazu\u2026\u201c&nbsp;&nbsp;<\/em>(Das bezieht sich auf den \u00fcberraschenden Tod von Dr. Billroth am 6. Februar 1894; er war der Vorgesetzte von Robert Gersuny und auch mit Dr. Netolitzky, dem Vater der drei Autoren, befreundet.) War der \u201eAegyptische Struwwelpeter\u201c vielleicht gar nicht als Geburtstagsgeschenk geplant, sondern sollte er einfach ein \u201eDankesch\u00f6n\u201c f\u00fcr die Teilnahme an der Tanzstunde und sonstige freundliche Zuwendungen und Einladungen sein?&nbsp;&nbsp;Ich werde sp\u00e4ter noch n\u00e4her darauf eingehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine M\u00f6glichkeit, das Geburtsdatum doch noch fest zustellen blieb noch: die Totenmatrikeln, in denen manchmal die Geburtsdaten der Verstorbenen eingetragen werden. Dazu musste ich die Pfarre ausfindig machen, zu der die Wohnadresse der Gersunys geh\u00f6rte. In der Annahme, es sei die Pfarre Dornbach \u2013 auf diesem Friedhof befindet sich ja das Grab \u2013 fuhr ich zum Dornbacher Friedhof. Mit den mir bekannten genauen Angaben zur Lage fand ich das Grab rasch. Meine vage Hoffnung, dass genaue Lebensdaten darauf vermerkt w\u00e4ren, erf\u00fcllte sich nicht, also wandte ich mich an die Friedhofsverwaltung. Im dortigen Verzeichnis stellte sich heraus, dass Gersunys nicht zur Pfarre Dornbach geh\u00f6rt hatten, ihre Heimatpfarre war aber leider nicht eingetragen. Ich suchte mit der Wohnadresse im Internet die zugeh\u00f6rige Pfarre und deren Kanzleistunden. Bei einer telefonischen Anfrage wurde mir best\u00e4tigt, dass die Lebensdaten in den Matrikeln nicht obligatorisch angegeben worden sind. Bei meinem Besuch in der Pfarrkanzlei fand ich im Totenbuch von 1900 auf der p. 33 den Eintrag zu Bertha Gersuny: sie war am 5. April, 6 Uhr abends verstorben. Todesursache:&nbsp;<em>Neubildung des Bauchfelles<\/em>&nbsp;\u2013 Krebs; Verzeichnet war weiters, dass sie seit 15. Februar 1873 verheiratet war, 56 Jahre war die mir bereits bekannte Altersangabe, und darunter standen noch einige Ziffern, die f\u00fcr mich nicht sofort zu interpretieren waren. Nach dem Vergleich mit anderen Eintr\u00e4gen und einigem Kopfrechnen gelang mir aber die Aufl\u00f6sung: Frau Bertha Gersuny war am 4. April 1844 geboren! Der \u201eAegyptische Struwwelpeter\u201c als Geburtstagsgeschenk scheidet daher eindeutig aus!!!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kehren wir zur\u00fcck zum Brief von Frau Netolitzky an die Gro\u00dfmutter der drei Autoren und zu dem Hinweis von Fritz, dass das Buch bis Ende Februar fertig sein sollte. Eine andere Erkl\u00e4rung erscheint mir plausibler: Richard Netolitzky berichtet in seinen Erinnerungen \u00fcber die Tanzstunden bei Gersunys, dass jeweils eine Tanzstunde im Monat eine&nbsp;<em>\u201everl\u00e4ngerte Tanzstunde\u201c&nbsp;<\/em>war, zu der \u00e4ltere Freunde und Geschwister der Tanzsch\u00fcler eingeladen wurden. Die \u00dcbergabe des Geschenks war laut Tagebuch h\u00f6chstwahrscheinlich f\u00fcr diese verl\u00e4ngerte Tanzstunde Ende Februar geplant, die sogar als Kost\u00fcmball gestaltet werden sollte, wie an anderer Stelle erw\u00e4hnt wird. Mit dem \u00fcberraschenden Tod von Billroth am 6. Februar 1894 endete die Tanzstunde jedoch. Die Idee wurde aber weiter verfolgt, da Fritz am 25. Februar vermerkte:&nbsp;<em>\u201e<\/em>&nbsp;\u2026<em>&nbsp;Nachmittag \u201amachte\u2018 ich Papier f\u00fcr den Strubelpeter&nbsp;<\/em>(sic!)&nbsp;<em>\u2026\u201c&nbsp;<\/em>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zwischen M\u00e4rz und August kommt es zu den entscheidenden Gespr\u00e4chen zwischen Gersuny und seinem Verleger, wie aus einem Brief der Mutter hervorgeht und in einem Brief vom 8. Oktober 1894 berichtet sie Folgendes: \u201e\u2026<em>&nbsp;Gestern hatte Magdalene den Struwwelpeter, der jetzt aber ,Gigerl Typhon\u2018 hei\u00dft, fertig und trug ihn zu Frau Gersuny, \u2026\u201c&nbsp;<\/em>&nbsp;Das versp\u00e4tete \u201eDankesch\u00f6n\u201c f\u00fcr die Tanzstunde wurde also am 7. Oktober 1894 \u00fcberreicht. Die unterschiedlichen Angaben zu den Personen, die das Geschenk \u00fcberreichten, konnte ich leider nicht aufkl\u00e4ren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wiederum in einem Brief der Mutter vom 11. Juni 1895 ist von der oben erw\u00e4hnten Visitenkarte die Rede und dazugibt es noch weitere Informationen: die Herausgabe des Buches ist f\u00fcr den Oktober 1895 geplant, jedoch auf Grund der hohen Druckkosten nur im Umfang von 16 Blatt. Die witzige Vorrede, nach der der Frankfurter Struwwelpeter nur eine Nachahmung des Aegyptischen sei, bleibt aus Kostengr\u00fcnden weg. Auch die Geschichte \u00fcber das Milit\u00e4r f\u00e4llt der verlagsinternen \u201eZensur\u201c und dem Sparstift zum Opfer. Das Buch soll unter dem Titel \u201eAegyptischer Struwwelpeter\u201c erscheinen. Die von der Druckerei Nister in N\u00fcrnberg geforderten Druckkosten von fl. 5000,- seien zu viel<a href=\"applewebdata:\/\/8C360889-3104-4CDB-ADF2-0D001FACE2A3#_edn9\"><sup>[ix]<\/sup><\/a>, der geplante Verkaufspreis m\u00fcsse unter einem Gulden liegen und deshalb betr\u00e4gt das Autorenhonorar nur fl. 150,- und drei\u00dfig Freiexemplare. Gersunys bedauern die niedrige Summe, sollte es aber zu einer weiteren Auflage kommen, werde man neu verhandeln und darauf dr\u00e4ngen, alle Bilder zu drucken.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach all diesen neuen Erkenntnissen kann man mit relativer Sicherheit annehmen, dass es sich so oder sehr \u00e4hnlich abgespielt hat. Der immer wieder kolportierte Plagiatsvorwurf ist durch die oben angef\u00fchrten Fakten (Urheberrechtsgesetz vom 26. Dezember 1895 und darauf Abweisung der Klage durch das Oberlandesgericht Wien) widerlegt und ein kleiner Mosaikstein in der Geschichte der \u00f6sterreichischen Kinder- und Jugendliteraturforschung kann hinzugef\u00fcgt werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am 8. August 2013 konnte die \u201eWiener Zeitung\u201c \u2013 die damals \u00e4lteste noch erscheinende Tageszeitung der Welt \u2013 ihren 310. Geburtstag feiern. Im Rahmen dieser Jubil\u00e4umsausgabe erschien in der Beilage \u201eZeitreisen\u201c ein Beitrag unter dem Titel \u201eStruwwelpeter im Pharaonenland\u201c, in dem die Entstehungsgeschichte des Buches dargelegt wird.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">&nbsp;<\/h3>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">\u00dcbersetzungen des \u201eAegyptischen Struwwelpeter\u201c<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>The Egyptian Struwwelpeter: being the Struwwelpeter papyrus; with full text and 100 original vignettes from the Vienna papyri; dedicated to children of all ages.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unter diesem Titel erschien eine englische \u00dcbersetzung bei Grevel in London 1896, gedruckt bei Nister in N\u00fcrnberg, wo auch die \u00f6sterreichische Ausgabe entstanden war. Zeitgleich erschien auch eine amerikanische Ausgabe bei Stokes in New York, gedruckt ebenfalls bei Nister. Ein Exemplar der englischen Originalausgabe befindet sich in meinem Besitz.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Egyptil\u00e4inen J\u00f6r\u00f6-Jukka<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Veikko Pihlajam\u00e4ki (1921-2006)&nbsp;ist der \u00dcbersetzer des Buches ins Finnische, das 1993 in Tampere im Eigenverlag des \u00dcbersetzers herausgebracht wurde. Die gesamte Auflage von 1000 St\u00fcck wurde verkauft w\u00e4hrend einer Ausstellung \u00fcber \u00e4gyptische Kunst im Museum in Tampere vom 30. August 1993 bis zum 2. J\u00e4nner 1994. Eine 2. Auflage erschien 1999, ebenfalls vom \u00dcbersetzer herausgebracht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein m\u00f6gliches Vorbild f\u00fcr die Bearbeitung des Struwwelpeters und seine Zeitreise in das alte \u00c4gypten k\u00f6nnten auch die drei&nbsp;<em>Aegyptischen Humoresken<\/em>&nbsp;von&nbsp;Carl Maria Seyppel&nbsp;(1847\u20131913) gewesen sein. Der geb\u00fcrtige D\u00fcsseldorfer hat bei&nbsp;<em>Bagel<\/em>&nbsp;in D\u00fcsseldorf 1882 den ersten von drei sgn.&nbsp;<em>Mumiendrucken<\/em>herausgebracht mit dem Titel&nbsp;<em>\u201eSchlau, schl\u00e4uer, am schl\u00e4usten\u201c.<\/em>&nbsp;Die Humoreske beginnt:&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Rhampsinit, Aegyptens K\u00f6nig, aus der zwanz\u2019ger Dynastie,&nbsp;<br>Hatte Sch\u00e4tze, ungew\u00f6hnlich viel, und h\u00fctet eifrig sie&#8230;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Einband tr\u00e4gt den Kopftitel&nbsp;<em>\u201eAusgegrabenes Buch\u201c.<\/em>&nbsp;Dem Thema entsprechend gestaltet ist das Titelblatt. Auf einem riesigen Palmwedel, getragen von einem Diener, steht der Titel&nbsp;<em>\u201eSchlau, schl\u00e4uer, am schl\u00e4usten\u201c.<\/em>&nbsp;Von rechts nach links marschierend sind die Personen der Handlung dargestellt, als vorletzter in der Reihe wandelt ein Kopfloser. Weiter hei\u00dft es dann:&nbsp;<em>1. Aegyptische Humoreske. Niedergeschrieben und abgemalt 1315 Jahre vor Christi Geburt von C. M. Seyppel. Hofmaler und Poet seiner Majest\u00e4t des K\u00f6nigs Rhampsinit III. Memphis, Mumienstra\u00dfe Nr. 35, 3. Etage, 4x klingeln.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gewidmet ist das Werk&nbsp;<em>Herrn Dr. H. Schliemann in Athen.<\/em>&nbsp;In der scherzhaften Vorrede wird beschrieben, dass ein f\u00fcr Arch\u00e4ologie schw\u00e4rmender deutscher Gelehrte 1882 im Zuge der kriegerischen Ereignisse mit dem englischen Heer nach Kairo gelangte. Dort konnte er mit viel Gl\u00fcck bei den Pl\u00fcnderungen des P\u00f6bels ein kostbares&nbsp;<em>alt\u00e4gyptisches Buch<\/em>&nbsp;vor der endg\u00fcltigen Vernichtung bewahren. Es sei zwar vom Zahn der Zeit angenagt, aber immerhin die&nbsp;<em><u>einzige<\/u><\/em>&nbsp;Probe der Malerei und Dichtkunst der alten Aegypter. Die ausgefransten und scheinbar angesengten, fleckigen Seiten des Buches unterst\u00fctzen nachdr\u00fccklich den Hinweis auf das hohe Alter des kostbaren Fundes. Diese 1. Humoreske war so erfolgreich, dass 1884 bereits die 5. Auflage erschien. 1883 erschien ein weiterer Band unter dem Titel&nbsp;<em>\u201eEr, sie, es\u201c,&nbsp;<\/em>der die Fortsetzung der ersten Humoreske ist. Der dritte Band erschien ebenfalls 1884, sein Titel lautet:&nbsp;<em>\u201eDie Plagen\u201c (\u201eAufgeschrieben und abgemalt bei dem Auszuge der Juden aus Aegypten\u201c)<\/em>&nbsp;Durchaus nicht ungew\u00f6hnlich f\u00fcr diese Zeit ist die Geschichte nicht frei von antisemitischen \u00c4u\u00dferungen. 1974 und 1982 erschienen Nachdrucke, 1974 bei Heimeran in M\u00fcnchen (Dialog mit der Antike. 3.), 1982 brachte der Rheinland-Verlag in K\u00f6ln in der Reihe&nbsp;<em>Schriften des Museumsvereins Dorenburg (Band 37)&nbsp;<\/em>unter dem Titel&nbsp;<em>\u201eCarl Maria Seyppels alt\u00e4gyptische Trilogie\u201c<\/em>&nbsp;einen weiteren Nachdruck heraus. Heinz-Peter Mielke war der Herausgeber. Ein Exemplar des 1. Bandes dieser Trilogie erhielt ich freundlicher Weise von einem Sammler als Geschenk, mit der Bemerkung, in meine Sammlung passe es eindeutig besser als in seine eigene. Der Text ist in Versen abgefasst, stellenweise etwas holprig, wie auch die ganze Geschichte bisweilen makabre Z\u00fcge aufweist: der Gewinner bei der nicht ganz astreinen Geschichte muss seinem eigenen Bruder den Kopf abschlagen, damit ihre Schandtat nicht entdeckt wird. Inzwischen ist es mir gegl\u00fcckt, von den beiden ersten B\u00e4nden je ein Exemplar zu erwerben, allerdings in einer anderen Ausgabe: der Einband ist mit Sackleinen \u00fcberzogen, der Buchblock ist mit einer Schnur zusammengen\u00e4ht, die Enden des \u201eN\u00e4hfadens\u201c sind mit einem dicken Siegel festgemacht. Ein \u00e4gyptischer K\u00f6nigskopf prangt in der Mitte des Siegels, die umlaufende Inschrift ist nur mehr z. T. zu entziffern. Das Buch ist mittels Lederschn\u00fcren zu verschlie\u00dfen. Ich hoffe immer noch, den dritten Teil der Trilogie zu finden, zumindest als Nachdruck oder in Kopie. Ein Sammler gibt die Hoffnung nie auf!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Quellen:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Tageb\u00fccher von Fritz und Richard Netolitzky, Familienbriefe, Interviews mit Dr. Luitgard Knoll, Enkelin von Fritz Netolitzky<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">H\u00f6lzl, Regina; J\u00e1nosi, Peter: Vom Nil an die Donau. Die Geschichte der \u00e4gyptischen Wandtapeten im Kunsthistorischen Museum Wien; Berlin 2023<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">R\u00fchle, Reiner: B\u00f6se Kinder; kommentierte Bibliographie von Struwwelpetriaden und Max-und-Moritziaden mit biographischen Daten zu Verfassern, Illustratoren und Verlegern, Bd 1,2; Osnabr\u00fcck 1999 und 2019<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Satzinger, Helmut: Das Kunsthistorische Museum in Wien: Die \u00c4gyptisch-Orientalische Sammlung; Wien und Mainz \u00a91994<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Neues Wiener Tagblatt, 30. Jg, Nr. 18, Nr 96<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wiener Zeitung Nr. 268, 19. Nov. 1895<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wurm, Carsten: 150 Jahre R\u00fctten &amp; L\u00f6ning; Berlin 1994<sup>1<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die kursiv gesetzten Textteile sind Zitate aus Tageb\u00fcchern, Briefen und&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Zeitungen, deren Rechtschreibung \u00fcbernommen wurde.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"applewebdata:\/\/8C360889-3104-4CDB-ADF2-0D001FACE2A3#_ednref1\"><sup>[i]<\/sup><\/a>&nbsp;Die Schreibweise \u201eAegyptisch\u201c war notwendig, da es noch keine M\u00f6glichkeit gab, die Versalien-Umlaute drucktechnisch umzusetzen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"applewebdata:\/\/8C360889-3104-4CDB-ADF2-0D001FACE2A3#_ednref2\"><sup>[ii]<\/sup><\/a>&nbsp;Der Vortrag wurde im Rahmen des j\u00e4hrlichen Treffens des \u201eFreundeskreis Struwwelpeter-Museum\u201c gehalten. Er fasst die \u00dcberlegungen zusammen, die im Zuge der Herausgabe des zweisprachigen Wendebuches \u201eDer \u00c4gyptische Struwwelpeter\u201c vom Verleger Dr. Walter Sauer angestellt wurden; \u201eEditon Tintenfa\u00df\u201c 2013, ISBN 978-3-943052-09-1&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"applewebdata:\/\/8C360889-3104-4CDB-ADF2-0D001FACE2A3#_ednref3\"><sup>[iii]<\/sup><\/a>&nbsp;Hervorhebung durch die Autorin<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"applewebdata:\/\/8C360889-3104-4CDB-ADF2-0D001FACE2A3#_ednref4\"><sup>[iv]<\/sup><\/a>&nbsp;Stimmt nicht, der Zappel-Philipp fehlt im Aegyptischen Struwwelpeter, da es in dieser Parodie um das \u00f6sterreichische Milit\u00e4r ging. Die Grundlage f\u00fcr die Geschichte von Thutmes ist der J\u00e4gersmann, daraus wird sogar zitiert bei dessen Flucht vor der Mumie:&nbsp;<em>Er l\u00e4uft davon und ruft und schreit: \u201eZu Hilf\u2018, ihr Leut\u2018, zu Hilf\u2018 ihr Leut\u2018!\u201c<\/em>. Zus\u00e4tzlich ist das Bild eine direkte Bezugnahme auf Fritz Netolitzky, der ein gro\u00dfer Bergsteiger war; von ihm existiert ein Foto in ganz \u00e4hnlicher Pose.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"applewebdata:\/\/8C360889-3104-4CDB-ADF2-0D001FACE2A3#_ednref5\"><sup>[v]<\/sup><\/a>&nbsp;Diese interessante Information verdanke ich Theo Gielen (1946-2015),&nbsp;dem&nbsp;niederl\u00e4ndischen Fachmann f\u00fcr Kinder- und Jugendliteraturforschung und damit auch f\u00fcr den Struwwelpeter und seine Verbreitung in den Niederlanden. Er war Mitglied des oben genannten Vereins in Frankfurt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"applewebdata:\/\/8C360889-3104-4CDB-ADF2-0D001FACE2A3#_ednref6\"><sup>[vi]<\/sup><\/a>&nbsp;Hervorhebung durch die Autorin<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"applewebdata:\/\/8C360889-3104-4CDB-ADF2-0D001FACE2A3#_ednref7\"><sup>[vii]<\/sup><\/a>&nbsp;Hervorhebung durch die Autorin<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"applewebdata:\/\/8C360889-3104-4CDB-ADF2-0D001FACE2A3#_ednref8\"><sup>[viii]<\/sup><\/a>&nbsp;\u00d6sterreichisches Biographisches Lexikon<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"applewebdata:\/\/8C360889-3104-4CDB-ADF2-0D001FACE2A3#_ednref9\"><sup>[ix]<\/sup><\/a>&nbsp;Das entspricht ca. \u20ac 40.000.- f\u00fcr die Druckkosten, f\u00fcr das Autorenhonorar ca. \u20ac 1200,-<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u2013 ein Kuriosum der \u00f6sterrei\u00adchischen Kinderliteratur? \u00dcber kaum eine andere Bearbeitung des \u201eStruwwelpeter\u201c wei\u00df man so genau Be\u00adscheid, wie in diesem Fall. Lassen Sie Ihrer Phantasie die Z\u00fcgel schie\u00dfen und kommen Sie mit mir nach Wien, in das Wien um 1895. Um die \u201eExklusivit\u00e4t\u201c des Aegyptischen Struwwelpeters zu verstehen, muss man die kulturellen und historischen [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-32","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.struwwelpeter.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/32","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.struwwelpeter.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.struwwelpeter.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.struwwelpeter.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.struwwelpeter.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=32"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.struwwelpeter.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/32\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":118,"href":"https:\/\/www.struwwelpeter.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/32\/revisions\/118"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.struwwelpeter.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=32"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}