{"id":40,"date":"2025-03-30T12:47:50","date_gmt":"2025-03-30T12:47:50","guid":{"rendered":"https:\/\/www.struwwelpeter.org\/?page_id=40"},"modified":"2025-04-07T13:36:03","modified_gmt":"2025-04-07T13:36:03","slug":"richard-heuberger","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.struwwelpeter.org\/?page_id=40","title":{"rendered":"Richard Heuberger"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Richard_Heuberger_der_%C3%84ltere#\/media\/Datei:Richard_Heuberger_(1850%E2%80%931914)_1894_%C2%A9_Auguste_Wimmer_Detail.jpg\">Richard Heuberger in Wikipedia<\/a><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">1850 &#8211; 1914<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1996 stie\u00df ich  auf Angaben zu einer musikalischen Bearbeitung des Struwwelpeters. In der &#8222;Neuen Freien Presse\u201c vom 11. J\u00e4nner 1898 schreibt man dazu:&nbsp;<em>Bisher durften nur Johann Strau\u00df und Offenbach sich r\u00fchmen, auf zwei Wiener B\u00fchnen gleichzeitig gespielt worden zu sein. Nun ist dasselbe Gl\u00fccksambo auch Richard Heuberger zugefallen. Mit seinem &#8222;Struwwelpeter&#8220; prangt er auf dem Theaterzettel der Hofoper und daneben mit &#8222;Opernball&#8220; an der Wien&nbsp;<\/em>(gemeint ist das auch heute noch bestehende \u201eTheater an der Wien\u201c). Wer war  Richard Heuberger und was ist in seinem <em>&#8222;Struwwelpeter, Ballet-Pantomime in vier Abtheilungen&#8220;  zu sehen?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Richard Franz Joseph Heuberger wurde am 18. Juni 1850 in Graz\/Steiermark geboren. Sein Vater Johann war Bandagist, aber auch ein eifriger S\u00e4nger, Gitarrist und Fl\u00f6tist. K\u00fcnstlerische T\u00e4tigkeit und Heirat verbinden die Familie Heuberger mit Beethoven und Schubert. Ein Leopold Heuberger war als Medailleur t\u00e4tig und portr\u00e4tierte Beethoven. Eine Cousine des Vaters, Henriette Heuberger, war mit Andreas Schubert, dem Stiefbruder von Franz Schubert verheiratet.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach dem Abschluss eines Technikstudiums in Graz 1875 begann er als Bahningenieur im Staatsdienst. Es war die gro\u00dfe Zeit des Eisenbahnbaues, die zum Teil Privatbahnen, zum Teil Staatsbahnen waren. Gemeinsam war den meisten die Benennung nach einem Mitglied des Kaiserhauses. Heuberger war beim Bau der &#8222;Giselabahn&#8220; t\u00e4tig, benannt nach einer der T\u00f6chter des Kaisers. Sie f\u00fchrte von Salzburg \u00fcber Bischofshofen nach W\u00f6rgl mit einer Abzweigung nach Selzthal. Heuberger wandte sich aber schon 1876 endg\u00fcltig der Musik zu, war als Chorleiter einiger Wiener Ch\u00f6re t\u00e4tig (z. B. Wiener Singakademie und Schubertbund, Ch\u00f6re, die heute noch bestehen) und sp\u00e4ter Professor am Wiener Konservatorium. Vor allem als Musikkritiker war er gef\u00fcrchtet und offensichtlich ein w\u00fcrdiger Nachfolger Hanslicks bei der &#8222;Neuen Freien Presse&#8220;. Zeitweilig schrieb er auch f\u00fcr die M\u00fcnchner &#8222;Allgemeine Zeitung&#8220;. Eine bedeutende Schubert-Biographie stammt aus seiner Feder: &#8222;Franz Schubert&#8220;(Bd 14 der Reihe &#8222;Ber\u00fchmte Musiker. Lebens- und Charakterbilder nebst Einf\u00fchrung in die Werke der Meister&#8220;; Berlin 1902)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schon bald trat Heuberger mit viel beachteten Kompositionen im Bereich der Kammermusik hervor. Sein verg\u00f6ttertes Vorbild war Johannes Brahms und in dessen Stil komponierte er anfangs auch. 1886 f\u00fchrten die Wiener Philharmoniker Heubergers Symphonie in F-Dur auf. Sp\u00e4ter wandte er sich ganz der B\u00fchne zu und schrieb Opern und Operetten.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sein &#8222;<em>Struwwelpeter, Ballet-Pantomime in vier Abtheilungen\u201c<\/em>&nbsp;war&nbsp;<em>&#8222;seinen lieben Kindern gewidmet&#8220;. <\/em>Mitte Juni 1896 begann er mit der Komposition, am 16. Oktober 1896 war die Partitur vollendet. Im Dezember 1896 komponierte er die Ouvert\u00fcre<em>&nbsp;<\/em>und am 5. J\u00e4nner 1897 wurde das Ballett in Dresden uraufgef\u00fchrt unter Ernst Schuch. Direktor Jahn von der Wiener Hofoper zeigte Interesse daf\u00fcr und am 8. J\u00e4nner 1898 kam es in Wien zur Auff\u00fchrung unter keinem geringerem als Gustav Mahler, der seit 1897 Dirigent, und von 1898 bis 1907 Direktor des Hauses war.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Libretto stammt von Viktor L\u00e9on (eigentl. Viktor Hirschfeld, *4.1.1858 in Wien, \u2020 3.2.1940 ebenda), der Dramaturg am Deutschen Volkstheater in Wien war. Zum Teil zusammen mit seinem Bruder Leo Hirschfeld verfasste er zahlreiche Volksst\u00fccke und Operettenlibretti, darunter so bekannte wie &#8222;Wiener Blut&#8220;, &#8222;Die lustige Witwe&#8220;, &#8222;Das Land des L\u00e4chelns&#8220;, &#8222;Der fidele Bauer&#8220; und eben auch &#8222;Der Opernball&#8220; von Heuberger.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Von Heubergers B\u00fchnenwerken ist aber lediglich die Operette &#8222;Der Opernball&#8220; geblieben, von den anderen B\u00fchnenwerken kennen nur Fachleute noch die Titel, z. B. &#8222;Abenteuer einer Neujahrsnacht&#8220;, &#8222;Barf\u00fc\u00dfele&#8220;, &#8222;Der Sechsuhrzug&#8220; und noch einige andere. Selbst aus dem &#8222;Opernball&#8220; gibt es nur einige &#8222;Schlager&#8220;, die auch heute noch bekannt sind, z. B. &#8222;Komm mit mir in\u00b4s Chambre separ\u00e9e&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Erfolg des &#8222;Opernballs&#8220; machte ihn aber nicht wirklich gl\u00fccklich. Es war der Stachel in seinem Fleisch, als Operettenkomponist etikettiert zu sein, und nicht als Sch\u00f6pfer ernster Werke zu Ruhm und Ehren gelangt zu sein. Auch unserem &#8222;Struwwelpeter&#8220; erging es nicht besser, er verschwand in der Versenkung, obwohl er zu Lebzeiten des Komponisten sehr erfolgreich gewesen sein soll, wie Zeitungsberichten zu entnehmen ist. Das zweite Ballett aus Heubergers Feder ist &#8222;Die Lautenschl\u00e4gerin&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Richard Heuberger lebte die letzten Jahre in seinem Haus in Hinterbr\u00fchl bei M\u00f6dling, wo er am 28. Oktober 1914 starb. Begraben ist er am Ortsfriedhof von Hinterbr\u00fchl, einem kleinen Ort s\u00fcdlich von Wien, der um die Jahrhundertwende beg\u00fcterten B\u00fcrgerfamilien als Sommerfrische diente. Eine meiner Tanten und ihr Mann galten \u00fcbrigens als erste &#8222;Sommerfrischler&#8220; im Ort. Der Name Heubergers war immerhin noch bis in die Mitte unseres Jahrhunderts so bekannt, dass eine \u00f6sterreichische Tageszeitung im Juli 1950 des hundertsten Geburtstages des Komponisten des &#8222;Opernball&#8220; mit einem ausf\u00fchrlichen Artikel gedachte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Inhalt der Pantomime ist schnell erz\u00e4hlt. Des Teufels Gro\u00dfmutter ist ver\u00e4rgert \u00fcber die kleinen Teufel, die nur Unfug treiben, weil sie keine Spielgef\u00e4hrten haben. Sie schickt den Teufel auf die Erde, damit er geeignete Spielgef\u00e4hrten suche. Der sammelt in bunter Reihenfolge die verschiedenen Figuren aus dem Struwwelpeter ein und bringt sie zur H\u00f6lle. Dort angekommen, werden Friederich, Paulinchen und Gef\u00e4hrten aber so sehr von den kleinen Teufeln gequ\u00e4lt, dass sie auf die Knie fallen, zu beten beginnen und dem lieben Gott reuig Besserung geloben. Engel geleiten sie zur\u00fcck auf die Erde, wo die Vermissten sch\u00f6n frisiert und kugelrund von den jeweiligen Eltern freudig in Empfang genommen werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Nachlass von Richard Heuberger befindet sich in den Musiksammlungen der Wienbibliothek sowie der \u00d6sterreichischen Nationalbibliothek. Bei beiden Institutionen habe ich Einsicht genommen in Klavierausz\u00fcge sowie Orchestermaterial. Letzteres stammt aus dem Fundus des Jantsch-Theaters im k.k. Prater in Wien. Es ist eine Autografie von einem gewissen R. E. Sonnleithner, der in meiner Heimatstadt M\u00f6dling in n\u00e4chster Nachbarschaft meiner Gro\u00dfeltern wohnhaft gewesen war, wie aus seiner penibel in die Noten eingetragenen Adresse hervorgeht. Der Klavierauszug ist im Verlag von Josef Weinberger, Wien, Leipzig, Paris erschienen. Am Umschlag ist als Erscheinungsjahr 1896 angegeben, innen steht aber Copyright 1897. Dieses Jahr wird auch in allen eingesehenen Musiklexika angef\u00fchrt. Heuberger war auch Mitte der siebziger Jahre unseres Jahrhunderts noch so bekannt, dass eine umfangreiche vierb\u00e4ndige Dissertation mit Werkverzeichnis verfasst wurde (Peter Grunsky), die ich ebenfalls f\u00fcr meine Recherche benutzte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Richard Heuberger in Wikipedia 1850 &#8211; 1914 1996 stie\u00df ich auf Angaben zu einer musikalischen Bearbeitung des Struwwelpeters. In der &#8222;Neuen Freien Presse\u201c vom 11. J\u00e4nner 1898 schreibt man dazu:&nbsp;Bisher durften nur Johann Strau\u00df und Offenbach sich r\u00fchmen, auf zwei Wiener B\u00fchnen gleichzeitig gespielt worden zu sein. 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