{"id":54,"date":"2025-03-30T13:18:52","date_gmt":"2025-03-30T13:18:52","guid":{"rendered":"https:\/\/www.struwwelpeter.org\/?page_id=54"},"modified":"2025-03-30T16:14:40","modified_gmt":"2025-03-30T16:14:40","slug":"das-kaiserjubilaeums-stadttheater","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.struwwelpeter.org\/?page_id=54","title":{"rendered":"Das Kaiserjubil\u00e4ums-Stadttheater"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Artikel ist eine Erg\u00e4nzung zu Richard Heubergers \u201eStruwelpeter, eine Ballet-Pantomime\u201c, basierend auf einer Ansichtskarte mit der Darstellerin des \u201eStruwwelpeter\u201c<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Bau und Name<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1897 wurde Karl Lueger B\u00fcrgermeister in Wien. Die st\u00e4dtebauliche Neugestaltung Wiens war schon seit einigen Jahren das vorherrschende Anliegen, nicht nur zum Ruhm der Kaiserstadt, sondern auch aus sozialen, wirtschaftlichen und politischen \u00dcberlegungen heraus. Da die Baut\u00e4tigkeit u. a. in Form von pr\u00e4chtigen Palais entlang der Ringstra\u00dfe ihren sichtbaren Ausdruck fand, spricht man von der sgn. \u201eRingstra\u00dfenzeit\u201c. 1898 zum 50-j\u00e4hrigen Regierungsjubil\u00e4um von Kaiser Franz Joseph I. entstand nicht nur in Wien ein Kaiser-Jubil\u00e4umstheater. \u201eKaiser-Jubil\u00e4ums-Schulen\u201c vor allem und \u201eKaiser- Jubil\u00e4umstheater\u201c gab es verstreut in der ganzen Monarchie. In Baden findet sich diese Bezeichnung auf einem alten Volksschulgeb\u00e4ude, das heute eine Schule f\u00fcr \u201eAllgemeine Gesundheits- und Krankenpflege\u201c beherbergt. Das Stadttheater Baden trug fr\u00fcher ebenfalls diesen Namen, allerdings wurde der Neubau zum 60-j\u00e4hrigen Regierungsjubil\u00e4um gebaut. Eigentlich sollte es \u201eKaiser-Franz-Joseph-Jubil\u00e4ums-Stadttheater\u201c hei\u00dfen, der Hof verweigerte aber diese Benennung und die Badener begn\u00fcgten sich mit der Bezeichnung \u201eJubil\u00e4ums-Stadttheater\u201c. Generalunternehmer f\u00fcr die meisten Theaterbauten damals waren die Architekten Fellner &amp; Helmer, die zwischen 1872 und 1910 48 Theaterbauten errichteten, 13 davon im \u201eAusland\u201c (z. B.: das Theater in F\u00fcrth, das Schauspielhaus Hamburg, die Tonhalle Z\u00fcrich)<strong>,\u00a0<\/strong>alle anderen innerhalb der Grenze der \u00d6sterreichisch-Ungarischen Monarchie. Sie sind unverkennbar im Stil und in den Nachfolgestaaten der Monarchie heute noch deutlich zu erkennen. Baubeginn in Baden war am 14. September 1908, er\u00f6ffnet wurde am 2. Oktober 1909 mit einem Programm, das in Baden seither eine gewisse Tradition f\u00fcr \u00e4hnlich festlich-feierliche Anl\u00e4sse hat: \u201eDie Weihe des Hauses\u201c, von Beethoven in Baden 1822 komponiert zur Er\u00f6ffnung des Theaters in der Josefstadt, der Monolog des Ottokar von Hornek aus Grillparzers \u201eK\u00f6nig Ottokars Gl\u00fcck und Ende\u201c\u00a0<em>(Lobrede auf \u00d6sterreich): Er ist ein guter Herr, es ist ein gutes Land, wohl wert, da\u00df sich ein F\u00fcrst sein unterwinde!\u00a0<\/em>\u00a0Gespielt wurde die \u201eFledermaus\u201c, die ja eigentlich in Baden spielt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das in Wien geplante Kaiserjubil\u00e4ums-Stadttheater war in erster Linie zur Auff\u00fchrung von deutschen Sprechst\u00fccken gedacht. Die Initiative ging von einem eigens daf\u00fcr gegr\u00fcndeten Verein aus, der den Architekten Alexander Graf (1856 \u2013 1931) mit dem Bau beauftragte. Zusammen mit dem Architekten Franz Freiherr von Krau\u00df (1865 \u2013 1942) errichteten sie es in einer Bauzeit von nur 10 Monaten. Erst im M\u00e4rz 1898 wurde begonnen und durch den enormen Zeitdruck erh\u00f6hte sich der veranschlagte Betrag von 650.000 Gulden um rund 25 %, um 160.000 Gulden. Die Stadt subventionierte diese Kosten\u00fcberschreitung aber nicht, sondern der erste Theaterdirektor Adam M\u00fcller-Guttenbrunn (1852 \u20131923) bekam einen erh\u00f6hten Pachtzins vorgeschrieben. Das war kein guter Start, dazu kam noch, dass der Kaiser nicht bei der Er\u00f6ffnung anwesend war, da drei Monate vorher (10. September 1898) seine Frau, Kaiserin Elisabeth in Genf ermordet worden war. Es war ihm nicht darnach und au\u00dferdem herrschte strenge Hoftrauer. 1903 kam es zum ersten Konkurs und am 1. September 1903 \u00fcbernahm Rainer Simons die Direktion.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Carl Rainer Simons<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Theaterdirektor, Regisseur und S\u00e4nger, * K\u00f6ln am 16. September 1869, \u2020 17. August 1934 in Rottach-Egern. Er war der Sohn eines Baritons an der M\u00fcnchener Hofoper, der zuletzt als Direktor am D\u00fcsseldorfer Stadttheater wirkte. Simons studierte Jus in Lausanne und musste nach dem Tod seines Vaters (1889) zusammen mit seiner Mutter die Direktion des Theaters \u00fcbernehmen. Er studierte Gesang am Hoch\u2019schen Konservatorium in Frankfurt\/M., u.a. bei Engelbert Humperdinck. 1894-1899 war er Direktor des Mainzer Stadttheaters und lebte dann als Privatmann.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am 1. September 1903 \u00fcbernahm er das bankrotte Wiener Kaiser-Jubil\u00e4ums-Theater mit der Absicht, in Wien neben der Hofoper ein zweites Operntheater mit g\u00fcnstigeren Eintrittspreisen zu etablieren. Zu diesem Zweck setzte er auf das Musiktheater, erneuerte das k\u00fcnstlerische Personal und setzte ab 1904 Opern und Operetten auf den Spielplan. Ab 1908 setzte sich die Bezeichnung \u201eVolksoper\u201c durch, und so hei\u00dft das Haus heute noch.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Ber\u00fchmte S\u00e4nger, Auswahl:<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Maria Jeritza<\/em>: Ihr Aussehen beschreibt Marcel Prawy: Eine Stimme wie Birgit Nilsson, ein Aussehen wie Marilyn Monroe<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00a0<em>Josef v. Manowarda<\/em>:\u00a0war der Sohn eines \u00f6sterreichischen Generals, der an Volksoper und Staatsoper sang, er sang auch bei den Salzburger Festspielen und in Bayreuth.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Leo Slezak<\/em>: 1873 &#8211; 1946<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Simons leitete das Haus bis 1917. 1904 holte er Alexander Zemlinsky (1871 \u20131942) als Dirigent und Komponist nach Wien; unter ihm kam es auch zu \u00f6sterreichischen Erstauff\u00fchrungen von \u201eTosca\u201c (1907) und \u201eSalome\u201c (1910). Er arbeitete mit Heinrich Lefler (1863 \u2013 1919) zusammen, der nicht nur Kinderb\u00fccher illustrierte, sondern auch als B\u00fchnenbildner an Volks- und Staatsoper t\u00e4tig war. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als es ab 1944 ein absolutes Spielverbot in Wien f\u00fcr alle Theater gab, war die Wiener Volksoper das zweitgr\u00f6\u00dfte Kino Wiens mit 1550 Sitzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unter Simons wurde ein breit gef\u00e4chertes Programm geboten, von Operette bis zu Wagners \u201eRing\u201c; u. a. wurde auch \u201eCharlys Tante\u201c gespielt. Mit Webers \u201eFreisch\u00fctz\u201c unter Zemlinsky wurde das bisherige Sprechtheater zur \u201eVolksoper\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&nbsp;So wurde auch Heubergers \u201eStruwelpeter, eine Ballet-Pantomime\u201c aufgef\u00fchrt und von einer dieser Auff\u00fchrungen gibt es Postkarten mit der Hauptdarstellerin \u201eChristine von Hermann\u201c,&nbsp;\u00fcber die ich nichts N\u00e4heres in Erfahrung bringen konnte. M\u00f6glicher Weise handelte es sich bei dieser Auff\u00fchrung um eine sgn. Wohlt\u00e4tigkeitsauff\u00fchrung\/Sch\u00fclerauff\u00fchrung, und die stolzen Eltern der jungen Hauptdarstellerin lie\u00dfen die Ansichtskarte auf eigene Kosten herstellen. Im Archiv der Volksoper existieren keine Aufzeichnungen dar\u00fcber. Eine Kopie meiner Ansichtskarte gibt es aber jetzt im Archiv.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"654\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.struwwelpeter.org\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Scolik-654x1024.jpg\" alt=\"Darstellerin aus dem Ballet\" class=\"wp-image-59\" srcset=\"https:\/\/www.struwwelpeter.org\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Scolik-654x1024.jpg 654w, https:\/\/www.struwwelpeter.org\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Scolik-192x300.jpg 192w, https:\/\/www.struwwelpeter.org\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Scolik-768x1203.jpg 768w, https:\/\/www.struwwelpeter.org\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Scolik-981x1536.jpg 981w, https:\/\/www.struwwelpeter.org\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Scolik.jpg 1052w\" sizes=\"auto, (max-width: 654px) 100vw, 654px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Photograph dieser Karte ist&nbsp;<strong>Charles Scolik&nbsp;<\/strong>(*16. M\u00e4rz 1854 Wien, \u2020 1. Juni 1928 Wien), der einer der f\u00fchrenden Portr\u00e4tphotographen Wiens zu dieser Zeit war. Von ihm stammen auch zahlreiche Aufnahmen von Angeh\u00f6rigen des Kaiserhauses.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Simons machte mit seinem Konzept der \u201eVolksoper\u201c der schwerf\u00e4lligeren Hofoper ernsthaft Konkurrenz und schnappte ihr so manche Ur- oder Erstauff\u00fchrung weg (s. \u201eTosca\u201c und \u201eSalome\u201c).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach seinem Ausscheiden aus der Volksoper plante er immer wieder Projekte und b\u00fc\u00dfte dabei nicht nur sein Verm\u00f6gen ein, sondern auch seine Gesundheit. Mit nur 65 Jahren starb er unter nicht gekl\u00e4rten Umst\u00e4nden in Rottach-Egern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Wien geht NICHTS verloren: Der eiserne Vorhang wurde vor dem Krieg wegger\u00e4umt, dann war er verschollen und tauchte erst in den 1990er Jahren am Dachboden des \u201eTheaters an der Wien\u201c wieder auf.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Artikel ist eine Erg\u00e4nzung zu Richard Heubergers \u201eStruwelpeter, eine Ballet-Pantomime\u201c, basierend auf einer Ansichtskarte mit der Darstellerin des \u201eStruwwelpeter\u201c Bau und Name 1897 wurde Karl Lueger B\u00fcrgermeister in Wien. 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